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Auwärtsstark (12)





In unregelmäßgen Abständen berichten die Schreiberlinge des FohlenKommandO über ihre Groundhopper-Erlebnisse aus anderen Ligen, anderen Ländern. Heute: Estnische Meistriliiga, 30. Spieltag, FC TVMK Tallinn - FC Levadia Tallinn, 29.09.2007, Kadrioru-Stadion, Tallinn.

Tallinn bietet schöne Spaziergänge und ich rate, jede Minute Sonne auszunutzen, denn allzu bald kommt wieder ein Schauer vom Osten übers Meer und vermischt den Wind mit Regen. Willst Du einen Spaziergang machen, kann ich dir folgendes raten: nimm die Straßenbahn Nummer 3 in östlicher Richtung und fahre bis zu Endstation, es dauert nicht lang. Von hier aus kannst du dich links halten und in Richtung Meer spazieren, an dem auf erst steinigem, dann sandigem Strand die Ausflügler sitzen, Rentner, Pärchen, trinkende Jugend, and the odd bum. Nun könntest du ein ganze Weile marschieren, der Strand wird zu Promenade und du kommst nach Pirita, wo alles noch nach Soffietunion riecht. Du könntest aber auch nur bis zur Rusalka spazieren, einer Statue zur Erinnerung des Untergangs eines gleichnamigen russischen Marineschiffs und dann rechts rum, über die Straße und in einen schönen Grüngürtel, bald Park, bald Wald. Auch hier: Flaneure aller Couleur. Du läufst bis zum alten Zarenschlösschen und zu einem kleinen Schwanenteich. Jetzt musst du dich über die nächsten Schritte entscheiden. Nach links gelangst du zum neuen estnischen Kunstmuseum KUMU, nach rechts könntest du dich im Café volllaufen lassen, und wenn das Wetter immer noch schön ist und ein Spiel auf dem Programm steht und dir danach ist, dann könntest du geradeaus zum Stadion gehen. Vielleicht treffen wir uns ja. Einfach immer geradeaus bis zum Ende des Parks, wirklich nicht zu verfehlen.

Niemand nimmt den Fußball hier richtig ernst. Und wenn es jemand tut, dann die russischstämmige Bevölkerung. Die lingua franca sowohl auf als auch neben dem Platz ist Russisch, nur der Stadionsprecher spricht Estnisch. Es spielt der zweite der Liga, TVKM Tallinn gegen den ersten, Levadia Tallinn. Die Meisterschaft wird im Kalenderjahr ausgetragen, es geht also in die heiße Phase. Mit 6 Punkten Rückstand muss TVKM gewinnen, um noch eine kleine Chance auf den Titel zu erhalten. Es ist das vierte Aufeinandertreffen der beiden in dieser Saison, denn um bei 10 Mannschaften ein bisschen häufiger kicken zu dürfen, spielen alle viermal gegeneinander.

Die erste Halbzeit bietet zunächst wenig Höhepunkte. Obwohl das Niveau der Liga als solches gering ist, weisen die meisten Spieler eine hohe Technik auf. Das Spiel ist auch nicht sehr ruppig, kaum einer ist wirklich "bei den Leuten", so dass ein ganz schönes Spielchen zustande kommt; doch der letzte Pass, die letzte Flanke misslingen jedoch, so dass es nicht wirklich gefährlich wird (wer hat gesagt, das klinge ja wie die Beschreibung von Frauenfußball?!). Dann doch noch das Tor von Levadia, ungefähr 10 Minuten vor der Pause: der Rechsaußen mit den gelben Schuhen (Tarmo Kink) wird nicht richtig angegriffen und haut den Ball in den Winkel. Pause. Die vielen Balljungen kicken nun selber ein bisschen rum (könnte eine nordische Version von Ball aus der Luft sein), so dass der Ersatztorwart (Sergei Lepmets) die Bälle selber holen muss:



Zeit für ein Bier und ein Sandwich und Wechsel auf die Haupttribüne.

In der zweiten Halbzeit zunächst das gleiche Bild. TVMK will, kann aber nicht so richtig, und Levadia tut nicht mehr als nötig. um den Vorsprung nicht zu gefährden. Bis zur 50. Minute: In einem herkuleskem Kraftakt schießt TVMK innerhalb von 4 Minuten zwei Tore (ein Eigentor darunter) und führt nun überraschenderweise! Der Rest ist schnell erzählt: Müde und langsam geworden, sind die Spieler von TVMK (übrigens aus der Sportmannschaft eines Möbelkombinats aus Sowjetzeiten hervorgegangen) leichte Beute für Levadia. Um es kurz zu machen, TVMK wird, nun ja, vermöbelt, denn Levadia schießt noch 5 Tore. Und hat auch noch Zeit für eine recht offensichtliche Schwalbe:



Nun, 6:2 vom ersten gegen zweiten spricht eine deutliche Sprache. Levadia wird wohl aller Wahrscheinlichkeit nach Estland in der CL-Qualifikation im nächsten Jahr vertreten. Und wohl wieder scheitern, wie dieses Jahr gegen Partizan Beograd.



Bisher in dieser Reihe erschienen:

Auswärtsstark (11): LASK Linz - Cashpoint SCR Altach
Auswärtsstark (10): Preußen Münster - SV Schermbeck
Auswärtsstark (09): SV Wehen Wiesbaden - VfB Stuttgart
Auswärtsstark (08): Red Bull New York - Chicago Fire
Auswärtsstark (07): Borussia Mönchengladbach II - FC St. Pauli
Auswärtsstark (06): Bayer Leverkusen - CA Osasuna
Auswärtsstark (05): Bayer Leverkusen II - FC St. Pauli
Auswärtsstark (04): Eintracht Frankfurt - Newcastle United
Auswärtsstark (03): Öffentliches Training des 1. FC Köln
Auswärtsstark (02): Fortuna Düsseldorf - FC St. Pauli
Auswärtsstark (01): Factor Ljubljana - Bela Krajina

mit gefällt die meditative melancholie des ersatzkeepers. das heban wir doch schon verloren...

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