10.7.09

Abgänge: nachträglich - Uwe Gospodarek

Wie versprochen kommt hier noch der Artikel über den Abgang der letzten Saison

Uwe Gospodarek kam Mitte 2007 aus Burghausen zur Borussia und schaffte es gleich im ersten Testspieleinsatz im Borussia-Park gegen Bayern München die Zuschauer zu begeistern, die sogleich die altbekannten „Uwe, Uwe“ Sprechchöre wiederbelebten. Für über ein Jahr sollte es dann (bis auf ein einen Einsatz) erst mal gewesen sein. Erst als Hans Meyer das Zepter übernahm, kam Gospodarek zu einigen Einsätzen, aber schon früh war klar, dass in der Winterpause ein neuer Schlussmann her musste. Nach der Verpflichtung von Bailly ging somit der Weg von Gospodarek bei Borussia leise zu Ende. Im April 2009 haben sich Borussia und der Torhüter auf die Auflösung des noch bis 2010 laufenden Vertrags geeinigt. Bislang wurde Gospodarek noch von keinem neuen Verein als Neuzugang präsentiert. Wir bedanken uns bei Gospodarek für einen Zweitliga- und einen Bundesliga-Einsatz und sagen noch nachträglich herzlichen Glückwunsch zur Geburt des dritten Kindes, die er leider um eine Viertelstunde verpasst hat.

Im Kürze folgen weitere Beiträge dieser Reihe

8.7.09

Flughafentransferservice

Bild-Reporter Henning Feindt hat einen ganz besonderen Job. Nicht nur ist er Reporter, Journalist oder wie Sie ihn sonst bezeichnen wollen, nein, Herr Feindt ist der sogenannte "Chef-Abholer vom Dienst" (CAvD). Wechselt ein Spieler (vornehmlich Südamerikaner) zu einem neuen Verein, fährt er zum Flughafen und heißt den Fremden willkommen im schönen deutschen Vaterland. Letzten Sommer holte er Herthas Cicero in Tegel ab, dieses Jahr durfte sich Borussias Neuer Juan Arango über den Abholservice freuen. Das finden wir eine gelungene Aktion! Es kann nie schaden, sich bei den Spielern schon einmal vorzustellen, über die man im Herbst herziehen wird. Damit Henning aber bei der ganzen Abholerei nicht durcheinander kommt und ja keinen Neuzugang verpasst, helfen wir ihm ein bisschen. Hier eine Liste der zu erwartenden Ankünfte:

Ze Roberto (München)
Freitag, 10 Juli, 9:20 Uhr, Hamburg Flughafen (LH040 aus München Franz-Josef Strauß Flughafen) Achtung, viel Gepäck, also besser Rückbank schon mal umlegen.

Vagner Love (Moskau)
Freitag, 21 Juli, 10:25, Stuttgart Flughafen (LX1177 aus Moskau Domodedovo via Zürich)

Klaas-Jan Huntelaar (Madrid)
Dienstag, 21. Juli, 23:20, Stuttgart Flughafen (LX1178 aus Madrid via Zürich, wartet auf Vagner Love im Transit-Bereich, also ein Aufwasch!)

Lewis Holtby (Aachen)
Montag, 13. Juli, 10:23 Uhr, Gelsenkirchen Hauptbahnhof Gleis 7 (Regionalexpress aus Aachen, Umstieg in Mönchengladbach), "Kids on Tour"-Angebot der Bahn

Eljero Elia (Enschede)
Samstag, 14. Juli, später Nachmittag, wahrscheinlich tankt er noch mal an der Raststätte Hollenstedt (A1), kein Wohnwagen

Marcus Berg (Groningen)
Donnerstag 23, Juli , 19:42 Uhr, Hamburg Hauptbahnhof Gleis 13 a/b (ARRIVA aus Groningen, Umstieg in Leer in 2135 bis Bremen, dann weiter im metronom, jeweils im Fahrradabteil) Fahrradträger für's Auto nicht vergessen!

7.7.09

Doping: zwei Vorschläge

Die Doping-Debatte im Sport wird immer mehr zur Farce. Bei jedem neuen Fall ist der immer gleiche Ablauf zu beobachten. Sportler werden des Dopings überführt/verdächtigt, Sportler streiten alles ab und erklären hoch und heilig, niemals gedopt zu haben, Presse spricht von einem neuen Skandal und fühlt mit den Sportlern mit, Verbände stehen zu den Sportlern, Sportler werden gesperrt, Sportler kommen nach der Sperre zurück, Fans und Medien bejubeln die neuen Fabelzeiten der Sportler. Das neueste Beispiel ist nun Claudia Pechstein. Mal ehrlich, hat sich irgendwann jemand mal gefragt, warum eine 37-jährige Jahr für Jahr die Konkurrenz so spielend leicht hinter sich lässt? Zumal sie in einer Sportart tätig wird, in der es vor allem darum geht, sich alleine so schnell wie möglich vorwärts zu bewegen. Ob das nun auf Kufen, Füßen, Fahrrädern oder im Wasser geschieht, ist ja im Grunde austauschbar.

Ich will Pechstein kein Doping unterstellen, dafür weiß ich zu wenig und ehrlich gesagt interessiert es mich auch nicht sonderlich.

Ich möchte aber die Gelegenheit nutzen, eine völlig neue Herangehensweise an die Thematik vorzuschlagen. Das große Dilemma beim Doping ist ja, dass es erstens schwer und unter hohen Kosten und damit selten bewiesen wird; zweitens, und noch viel entscheidender, ist jedoch, dass selbst bei der Überführung eines Betrügers die Sanktionen vergleichsweise mild ausfallen. Wie oben schon beschrieben, der Gedopte wird für eine Weile gesperrt, aber im Normalfall kann er nach der Sperre reibungslos wieder in den Zirkus einsteigen. Ein Beispiel dafür ist Jan Ullrich, der nach seinem ersten Befund, den er krude mit einer Geschichte von unbekannten Pillen von unbekannten Leuten erklärte, wieder von Fans und Medien hofiert wurde. Erst der zweite Skandal machte ihn zur persona non grata. Die gesamte Tour de France fährt sowieso munter weiter, einige der Ärzte, die von den Kronzeugen Jaksche und Sinkewitz belastet worden waren, sind dieses Jahr auch wieder dabei.

Für mich ist das Doping als solches nicht das Schlimmste, sondern die Art und Weise, wie Politik und Medien sich einspannen lassen. Ich hätte kein Problem mit Doping, wenn die Sportler nicht von Steuergeldern mitfinanziert würden und die teuren Übertragungsrechte nicht gebührenfinanziert wären.

Für mich ergeben sich zwei Lösungsmöglichkeiten: eine radikale Lösung wäre es, Doping freizugeben. Das müsste einhergehen mit der Streichung sämtlicher staatlicher Sportunterstützung. Danach könnte jeder selbst entscheiden, was er nimmt.

Die zweite Möglichkeit bestände darin, die Beweislast vollständig umzukehren. Bisher ist es so, dass jeder Sportler als ungedopt gilt, der nicht überführt wurde. Nun würden wir sagen, dass jeder Sportler als gedopt gilt, der nicht selbst ausreichend Beweise vorbringt, die ihn von diesem Verdacht befreien. Man könnte sich vorstellen, dass unabhängige Gremien, zum Beispiel die WADA, vom Sportler beauftragt werden, ihn regelmäßig zu checken. Das würde auch das Katz-und-Maus-Spiel zwischen Sportler und Kontrolleur umdrehen, den nun müsste der Sportler dem Kontrolleur hinterherlaufen und nicht anders herum. Vor dem Wettkampf würde der Sportler eine Art Fahrtenschreiber vorlegen, und nur wenn dieser als ausreichend angesehen wird, darf er antreten. Vielleicht wäre die Umsetzung in Einzelheiten schwierig, aber es könnte sich lohnen, sie einmal durchzudenken.

Ich könnte mir auch eine Mischung aus beiden vorstellen, in der jeder Verband eigene "saubere" Veranstaltungen anbieten könnte, die neben den offenen Pharmaspielen stattfinden.

Eine dritte Möglichkeit habe ich hier nicht weiter thematisiert, weil die Umsetzung technisch zwar am einfachsten wäre, jedoch noch unwahrscheinlicher erscheint als die oben genannten: der komplette Rückzug der öffentlich-rechtlichen Rundfunk- und Fernsehanstalten von ALLEN Sportereignissen. Sie haben richtig gehört.

6.7.09

Neues aus dem Gästeblog (28.KW)

„Die Wahrheit, die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit...“

Na? Hat bei Ihnen heute morgen schon jemand gemeutert? Der Sohnemann beim Frühstück vielleicht offen mit Vertragsbruch gedroht, weil er sich fortan zu besseren Konditionen lieber der Nachbarsfamilie (Swimmingpool) anschließen möchte? Oder hegt Ihre pubertierende Tochter eventuell den Verdacht, sie könne möglicherweise nicht lebenslang 24/7 an erster Stelle stehen und drängt deshalb auf ein rasches Transfergeschäft? Möchte Ihre Frau aufgrund einer neuerlich zufällig entdeckten Leidenschaft kurzfristig aus dem Ehevertrag aussteigen, da sie fortan lieber mit Latinos spielen möchte? Verzeihung, Sie sind Latina und Ihr Mann möchte in sonnigen Gefilden lieber mit anderen Latinos spielen? Nein? – Glück gehabt! Dann können Sie sich jetzt zurücklehnen und voller Genuß die prominenten Wechselkapriolen anderer Bundesligisten beobachten. Das Ganze soll ja, laut Aristoteles, mehr als die Summer seiner Teile sein, was ja schön gedacht und noch schöner gesagt ist, nur lediglich nix hilft, sollte der Einzelne im Ganzen keine Erfüllung sehen. Wieviel mehr das Ganze, einmal auf die Goldwaage gelegt, als die Summe seiner bereits in Gold gegossenen Einzelteile tatsächlich wiegen wird, darf z.B. in Madrid demnächst ehrfurchtsvoll bestaunt werden. Nur böse Zungen behaupten, diese spanischen Waagen könnten womöglich den Eichanforderungen des TÜV Rheinland nicht standhalten. Auch wenn es im Fußballgeschäft unvermeidlich zu sein scheint, sich irgendwann den Allüren der Riberys, Lucios, Bas, Konsorten und den einschlägigen Beispielen der Vergangenheit (van der Vaart, etc.) ergeben zu müssen, es ist und bleibt ein gewöhnungsbedürftiges Spielchen. Vor allen Dingen, weil es kurzfristig so erfolgsversprechend ist. Die wirklich interessante Note dabei: Apropos erfolgreich, wenn Monsieur Ribery die Bayern gen Bernabeu verlassen sollte, um Teil der neuen Super-Ultra-Galacticos zu werden, dann würde, laut Presse, Senor Perez Mijnheer van der Vaart nach nur einem Jahr in Madrid nach München transferieren wollen. Ganz schön erfolgreich, so ein forciertes Wechseltheater, oder? You do the math? Arithmetiker aller Länder, vereingt Euch!

Gastkolumnist Dr. Theo Soph pfeift Montags beim FohlenKommandO die neue Woche an

1.7.09

Donovan über Beckham

Bin gerade über ein Buch gestolpert, das Mitte Juli in den USA erscheint: "The Beckham Experiment" von Grant Wahl. Wahl beschreibt hier mit (anscheinend) detailliertem Hintergrundwissen den Wechsel und die Zeit von David Beckham bei L.A. Galaxy. Interessant ist, wie sehr anscheindend die Beckham-Meute versucht hat, die eigenen Leute an wichtigen Schaltstellen des Vereins zu installieren. Beckhams Berater wird Consultant, Ruud Gullit wird als Trainer geholt, der sich als eher lustlos erweist, und Donovan wird dazu gedrängt, Beckham das Kapitänsamt abzutreten.

Was beim Lesen eines Exzerpts zunächst vielversprechend klingt, entpuppt sich aber schnell als das Ergebnis eines langen Interviews mit Landon Donovan über Beckham. Tenor: Donovan zeigt sich nach anfänglicher Euphorie schnell ernüchtert und wirft Beckham vor, das Gastspiel nicht ernst zu meinen. Ein Buch für Landon Donovan-Fans (ob das Vorwort von Klinsi ist?), das ein paar schöne Anekdoten bereit hält: wie Beckham mit den Mannschaftskameraden Essen geht, und erst keinen Wein bekommen soll, da er keine ID dabei hat; und wie später alle darauf warten, dass er die Rechnung vielleicht übernimmt, sich aber als cheapskate erweist.

29.6.09

Neues aus dem Gästeblog (27.KW)

„Die Wahrheit, die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit...“

Hatte ich letzte Woche an dieser Stelle noch die wage Hoffnung gehegt, Sportdirektor Max Eberl würde, anstatt lediglich zu pokern, entgegen den branchenüblichen Sachzwängen ernsthaft die Möglichkeit in Erwägung ziehen, Marko Marin in Gladbach halten zu wollen, so hat sich diese Option mittlerweile als obsolet erwiesen und den Kollegen zu einer weiteren Personalie in der Rubrik «Abgänge» verholfen. Schade eigentlich. Marins, in Mönchengladbach in dieser Form lange nicht gesehene und auch ansonsten weitestgehend unerreichte, Kreativexplosionen werden dem geneigten Publikum im Borussia-Park fehlen. Soll sich jetzt halt die Kreiszeitung Syke damit abplagen, Marins Einsatzminuten und Auswechslungen zu zählen. Da bleibt als Trost eigentlich nur zu hoffen, wenigstens der prophezeite Deal der Borussen mit dem Venezolaner Arango möge dieser Tage glatt über die Bühne gehen, der, wie fachkundige Szenebeobachter versichern, kein Schlechter sein soll. Schlecht allerdings, und da hat Borussia zumindest ebenso tief in den Fäkalieneimer gegriffen wie einst Marijke Amado im WWF-Club in den Wuschelkorb, ganz unfaßbar schlecht, macht sich das Logo des neuen Sponsors auf den vereinseigenen Trikots und Trainingsklamotten. Ich habe eine Woche Pressebilder aus dem Trainingslager gesehen und kann mich kaum sattekeln. Nun mag die Optik weder des Kaufmanns Tugend noch Topargument bei Vertragsabschlüssen mit solventen Kunden, resp. Sponsoren sein. Allerdings, auch wenn ich da kein Maßstab bin: ich werde, solange ich Sklave meiner eigenen Ästhetikauffassung bin, keine gelb-blauen Merchandiseartikel kaufen, tragen und/oder verschenken (Zitat JBK an anderer Stelle: «Geht gar nicht»); was wiederum, sollten sich noch mehr als nur ein paar Fans, Freunde und Förderer des Vereins ähnlich entsetzt über die Wahl zeigen, marktwirtschaftlich ein sehr gutes Argument gegen einen Sponsor sein dürfte. Wenn, hypothetisch gesprochen, der Trikot- und Merchandiseverkauf alleine aufgrund der beißenden Häßlichkeit der angebotenen Ware ins Stocken gerät, dann sollte man in Zukunft eventuell ein bißchen härter daran arbeiten, einen, auch optisch, zum Verein passenden Sponsor zu finden. Gerade weil man auch in anderen Fragen immer konsequent gerne betont, ständig auf der Suche nach einem «passenden» Sponsor zu sein.

Gastkolumnist Dr. Theo Soph pfeift Montags beim FohlenKommandO die neue Woche an

25.6.09

Falsche Freunde

Die Zeiten sind ruhig für Fußballfreunde im Moment; da ist man für jede Abwechslung dankbar. So auch für eine Email, die uns von bild.de erreichte. Der Redakteur, Praktikant oder freie Mitarbeiter schreibt, er sei auf der Suche nach "Qualitäts-Bloggern" wie uns, um das neue "Widget" von bild.de bekannt zu machen, mit dem man die neuesten Bild-Berichte über seinen Fußballverein direkt auf seine Seite holen kann. Zitat:
Seit kurzem bieten wir unser „mein Klub“ Widget auch für Fanwebseiten und private Blogs an (siehe dazu auch: http://www.bild.de/BILD/services/mein-klub-widget/bundesliga-rss-widget-fussball-nachrichten.html) bisher konnte diese Möglichkeit Nachrichten zum Lieblings-Bundesliga-Verein zu erhalten bereits auf dem iPhone, My Space und StudiVZ genutzt werden.
Es würde mich sehr freuen wenn Sie in Ihrem Fußball-Blog http://www.fohlenkommando.de/ über das „Mein Klub“ Widget für Blogs und private Webseiten berichten würden.
Bild.de ködert mit einem Bericht, den sie dann irgendwann mal über die Blogger machen will, die über das Widget geschrieben und/oder es eingerichtet haben.

Zunächst einmal, liebe Bild: wir sind für jedes schmutzig virale (oder andere) Marketing zu haben, meinetwegen auch zu Online-Roulette, Landminen, Fußpilz oder Hobby-Huren, aber es muss schon ein bisschen mehr dabei rausspringen als potentielle Klicks potentieller neuer User; ein Exklusiv-Interview mit Kai Diekmann über Ethik in den Medien zum Beispiel, ein Abend mit Franz-Josef Wagner und Sternhagelvoll-Garantie in der Paris-Bar auf Spesenrechnung oder wenigstens ein durchschnittlicher Tag zusammen mit Christian Hornung bei Borussia als bezahlte Hospitanz. Apropos Hornung: uns wundert, dass in Eurem anderen "Social Bookmarking"-Spielzeug Twingly unsere Artikel mit Bezug und Link zu bild.de zunächst brav ohne unser Zutun verlinkt wurden, dann irgendwann aber nicht mehr. Konkret: im Januar und März wurde uns diese Ehre zuteil, im Mai jedoch nicht. Zufall? Technische Probleme?

Und noch etwas: lest Ihr die "Blogs", die Ihr in Euer Marketing-Konzept einspannen wollt, eigentlich auch ein bisschen? Oder anders gefragt: hat BILDblog diese Email etwa auch bekommen? Wir sind fast ein wenig enttäuscht, dass wir trotz unserer bescheidenen Versuche, den zumeist hanebüchenen Journalismus der Bild (in Bezug auf Borussia) in manchmal deftigen Worten anzuprangern, so eine Spam-Mail ins Haus bekommen.

Wir müssen weiter an uns arbeiten!

P.S.: das mit dem Widget auf der Seite überlegen wir uns noch, schließlich hätten wir dann noch schneller die Artikel zur Hand, die wir durch den Kakao ziehen wollen, wenn nicht sogar müssen. Klassischer Win-Win, oder?

22.6.09

Neues aus dem Gästeblog (26.KW)

„Die Wahrheit, die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit...“

Der Urlaub ist pünktlich zum Trainingsauftakt beendet und ich melde mich gut erholt, motiviert, mit phantastischer Physis und dienstfreundlichem Gesicht zurück bei Ihnen, meine sehr verehrten Leserinnen und Leser, und bei meinen Scheckausstellern und Übungsleitern; obendrein bin ich natürlich äußerst gespannt auf die neue Saison. Was kann der Trainer und wie sieht der Kader für die kommende Saison tatsächlich aus? Zu Punkt 1 ist schon genug geschrieben worden, erwartungsgemäß vor allen Dingen viel Dummes. Ich behalte mir nur eine kurze Analyse vor: Wenn der Tabellenfünfzehnte den Trainer des Tabellenachtzehnten verpflichtet, dann ist das per se kein sonderlich positives Signal. Aber wer weiß schon was passieren wird, denn möglicherweise ist Gladbach das richtige Umfeld für Michael Frontzeck und alles wird gut. Da ist die Kaderfrage schon spannender. Wieviele Mitläufer kann Borussia in der verbleibenden Sommerpause vom Hof schicken und welche Stammelf wird sich in den nächsten Wochen herauskristallisieren? Fakt ist, die Borussia muß in der kommenden Saison torgefährlicher werden. Mit einem genesenen Rob Friend und Neuzugang Bobadilla kann das klappen, auch wenn sich in der Vergangenheit sogenannte Kracher aus der Schweiz selten als echte Kracher in der Bundesliga erwiesen haben. Wichtig wird sein, ob die Stürmer genau die Bälle bekommen werden, die sie in Tore ummünzen können. Im Moment kann das fast nur Marko Marin bedienen. Insofern ist Eberls knallharte Verhandlungsstrategie gegenüber einem Bremen-Transfer keine Milchmädchenrechnung, sondern absolut berechtigt. Entweder es gibt zweistellige Kohle für einen weiteren teuren Topeinkauf, oder Marin muß in der kommenden Saison in Gladbach beweisen, warum er nächsten Sommer seinen Urlaub mit der Nationalelf in Südafrika verbringen möchte. Auch wenn es auf den ersten Blick wie ein Wagnis wirkt: Reisende soll man eventuell auch ruhig mal aufhalten dürfen, denn Eberl pokert ja nicht ganz aussichtslos. Marin wird jedenfalls in der kommenden Spielzeit, sollte er ernsthaft höhere Ambitionen haben, in Gladbach nicht die beleidigte Leberwurst spielen können, denn in der Nationalelf ist er momentan locker ersetzbar. Ein verschenktes Jahr in Gladbach kann er sich demnach nicht leisten. Und die Borussia hat erst recht nichts zu verschenken.

Gastkolumnist Dr. Theo Soph pfeift Montags beim FohlenKommandO die neue Woche an

15.6.09

Neues aus dem Gästeblog (25.KW)

„Die Wahrheit, die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit...“

Auch diesen Montag: Urlaub! Bis nächste Woche.

Gastkolumnist Dr. Theo Soph pfeift Montags an dieser Stelle normalerweise beim FohlenKommandO die neue Woche an

8.6.09

Neues aus dem Gästeblog (24.KW)

„Die Wahrheit, die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit...“

Alle reden von Urlaub. Ich nicht! Während Frontzeck (Toi, toi, toi!) und Eberl (dito) den Markt sondieren, genehmige ich mir eine kleine, tariflich zugesicherte Auszeit und melde mich bei Zeiten wieder an dieser Stelle!

Gastkolumnist Dr. Theo Soph pfeift Montags an dieser Stelle normalerweise beim FohlenKommandO die neue Woche an

5.6.09

Eine ganz besondere Elf - 7

Obwohl in diesem Sommer bereits viele Personalien geklärt sind (Baumjohann geht zum FC Bayern, Galasek beendet seine Karriere, Svärd, Ndjeng, Coulibaly und Touma werden nicht mehr eingesetzt), bleiben dennoch elf Spieler, über deren Zukunft man diskutieren kann.

Heimeroth: Stammtorhüter wird Heimeroth in Gladbach nicht mehr, soviel steht fest. Wenn er sich damit arrangieren kann, jede Woche auf der Bank Platz zu nehmen, hat er in Gladbach jedenfalls solange eine Zukunft, bis die Nachwuchsleute Löhe und ter Stegen bereit sind.

Schachten: Wer ist eigentlich dieser Spieler, der seit zwei Jahren bei Borussia in Lohn und Brot steht und in dieser Zeit zweimal in der zweiten und einmal in der ersten Liga eingewechselt wurde? Oder weiter gefragt: Was würde sich ändern, wenn man es nie erfahren wird? Vermutlich nichts.

Gohouri: Sollte wirklich ein englischer Verein für Gohouri eine Millionensumme bieten, wie dies in der Winterpause kolportiert wurde, wäre das Thema wohl schnellstens erledigt. Dann würde Borussia einen manchmal überragenden Verteidiger verlieren, dessen obligate Aussetzer in fast jedem Spiel den Abgang verschmerzen ließen.

Callsen-Bracker: Er war vor der Saison geholt worden, um die Innenverteidigung zu stabilisieren. In der internen Rangliste um einen der beiden Posten ist er aber zwischenzeitlich auf den letzten Platz zurückgefallen. Überrascht hat er dann allerdings mit Auftritten im defensiven Mittelfeld. Dort hatte Borussia in den letzten Jahren zwar immer ein personelles allerdings kein qualitatives Überangebot. Wenn Callsen-Bracker das ändert, hat er als flexibler Abwehrspieler durchaus Chancen.

Jaurés: Mangels Einsätzen wird vollumfänglich auf die Analyse des letzten Winters verwiesen.

Marin: Auch wenn jeder Fußballfachmann glaubt zu wissen, was Marin alles kann, sollte man vielleicht auch nicht vergessen, was er (noch) nicht kann. Und damit kommt man relativ schnell zu dem Schluss, dass 10 Millionen Euro der Borussia sehr viel mehr weiterhelfen als eine unzufriedene Fummeltrine (Zitat Mario Basler).

Alberman: Als es in der Hinrunde darum ging, sich wenigstens mit einer Restchance auf den Klassenerhalt in die Winterpause zu retten, durfte Alberman noch regelmäßig auf dem Platz stehen. Als es aber in der Rückrunde darum ging, mindestens 20 Punkte einzufahren, war Alberman nur eingeschränkt, nämlich 53 Minuten, zu gebrauchen. In der Bundesliga kann man sich einen reinen Zerstörer ohne jeglichen Offensivdrang auf der wichtigen Sechser-Position eigentlich nicht leisten. Albermans Zeit in Gladbach ist abgelaufen.

van den Bergh: Auch bei van den Bergh stellt sich die Frage, ob der mittlerweile 22jährige Borussia irgendwann einmal weiterbringen wird. Die Entwicklung der letzten Jahre und die Tatsache, dass er sich selbst in der zweiten Liga keinen Stammplatz erkämpfen konnte, sprechen eher dagegen.

Colautti: 24 Bundesligaspiele in der abgelaufenen Saison, davon 10 von Beginn an, mit nur einem Tor sind eindeutig: Zumindest als Mittelstürmer im 4-3-3 hat Colautti kein Bundesligaformat.

Lamidi: Seit zweieinhalb Jahren ist Lamidi Teil des Profikaders, ohne dass er bislang zählbare Erfolge vorzuweisen hätte. Spieler wie Jansen oder Marin haben in diesem Alter schon ganzen Spielen ihren Stempel aufgedrückt. Lamidi schafft dies zur Zeit nur bei der U 23 und ist für die erste Mannschaft entbehrlich.

Neuville: Trotz seines Alters ist Neuville immer noch fit und ist und bleibt Borussias bester Stürmer der letzten Jahre. In der letzten Sasion fiel er allerdings dem 4-3-3 -System zum Opfer, in dem für einen wie ihn leider kein Platz ist. Wenn der neue Trainer auf zwei Stürmer setzt, sollte Neuville bitte bleiben, denn seine Jokerqualitäten sind unbestritten. Will man weiter 4-3-3 spielen, sollte man Neuville einen vernünftigen Abgang bieten.

3.6.09

«Ist der Ruf erst ruiniert...»

Borussia hat relativ zügig einen Hans Meyer-Nachfolger für das Traineramt verpflichten können, soweit die gute Nachricht im Hinblick auf weitere dringend benötigte Neuverpflichtungen. Das es sich bei diesem neuen Trainer allerdings um Michael Frontzeck handelt, darf im Moment der Verlautbarung aber noch getrost mit gemischten Gefühlen aufgefaßt werden.

Positiv zu vermerken ist, daß es sich bei Frontzeck, einstmals Klassenprimus an der Kölner SpoHo, um einen charakterlich soliden Leisetreter seiner Zunft handelt. Unprätentiös, sachlich, engagiert und sicherlich loyal. Diese Attribute sollten allerdings grundsätzlich vorausgesetzt werden müssen. Desweiteren werden wohl keine Zweifel an der Tatsache geltend gemacht werden dürfen, der Trainerjob bei Borussia löse in Frontzeck nicht weniger als großes Gefühlskino aus. Soweit alles in Ordnung und mehr gibt es zunächst in dieser Hinsicht auch nicht zu vermelden.

Womit wir aber auch schon beim einem sachten Magengrummeln wären, weil den objektiven Beobachter in der causa Frontzeck reflexartig mindestens zwei unangenehme Fragen beschleichen, zuallererst natürlich die nach der bisherigen Erfolgsbilanz im Job. Nun ist es einerseits natürlich unredlich, den Abstieg mit Aachen und die magere Bilanz in Bielefeld grundsätzlich als Ausschlußgrund für eine Beschäftigung bei der Borussia heranzuziehen. Den gebotenen Vertrauensvorschuß in die Fähigkeiten Frontzecks, so unberechenbar und diffizil ist das Geschäft erfahrungsgemäß, gewähren, richtigerweise, nicht nur die Verantwortlichen, auch für Fans und professionelle Beobachter sollte uneingeschränkt gelten: MF beginnt in Mönchengladbach bei Null und muß sich beweisen. Möglicherweise passt die Mischung Gladbach-Frontzeck perfekt.

Allerdings fordert Sportdirektor Max Eberl von seinem neuen Übungsleiter Zählbares («Philosophie ist fantastisch, aber Erfolge zählen»), und in Borussias prekärer Situation muß das den rechtzeitig sicheren Klassenerhalt bedeuten, «um überhaupt die Möglichkeit zu besitzen, eine Philosophie einzuführen. Ein schwieriger Grad. Diesen wollen wir gehen, um uns langfristig in der Bundesliga zu etablieren.» Aber der Trainer Frontzeck hat sich bisher nun mal weder als Erfolgsgarant, noch als Philosoph entpuppt. Welcher Schluß darf also gezogen werden? Frontzeck rettet (natürlich) nun die Borussia? Oder rettet Borussia qua Job, zumindest status quo, den schon leicht ramponierten Ruf Frontzecks? Wir werden sehen.

Zeigen wird sich aber auch, ob Eberl, Präsidium und Aufsichtsrat auf die richtige Karte setzen, indem sie, mal wieder, ein Fohlen mit Stallgeruch installiert haben. Die Erfahrung(en) der letzten Jahre (Lienen, Bonhof, Heynckes und in Teilen Köppel) sprechen da eine andere, aber leider auch recht eindeutige, Sprache. Entpuppt sich MF für Mönchengladbach als Glücksgriff, will natürlich keiner etwas gesagt haben, den Verfasser dieser Zeilen, versteht sich von selbst, eingeschlossen, außer vielleicht: «Shame on you, Aachen & Bielefeld!» Sollte es mit dem in den letzten Tagen viel beschworenen Kontinuitätsprinzip in naher Zukunft jedoch nicht ganz so weit her sein, dann wird sich die sportliche Führung endgültig und hoffentlich zum allerletzten Mal die Frage gefallen lassen müssen, ob in der jetzigen Situation und der interessanten Angebotsvielfalt auf dem Trainermarkt nicht leichtfertig eine große Chance vertan wurde. Den postulierten philosophischen Neubeginn der Post-Meyer-Ära hätte man sich auch anders vorstellen können. Eventuell revolutionärer. Vielleicht überraschender. Möglicherweise erfahrener. Auf jeden Fall freier von schwarz-weiß-grünen Emotionen.

«Grau, teurer Freund, ist alle Theorie» und was nicht ist, muß weder besser sein noch auf dem Rücken Frontzecks ausgetragen werden. Ihm sei, wie der Borussia und nicht zuletzt mir selbst, gewünscht, er möge nach Bremer Vorbild mindestens zehn Jahre fest im Sattel sitzen und erfolgreich das Kommando über die Fohlen schwingen, denn trotz Magengrummelns ist «(schwarz-weiß-)grün des Lebens goldner Baum.»

2.6.09

Neues aus dem Gästeblog (23.KW)

„Die Wahrheit, die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit...“

So schnell kann es manchmal gehen. Eben noch hat man einen Trainer und alles ist gut und am nächsten Tag ist der auch schon wieder weg. In Mönchengladbach nehmen Meyer-Jünger seit Tagen Abschied vom verehrten Übungsleiter und bangen vor dem möglicherweise nächsten Hasardeur der da kommen mag, während in Köln gestandene Männer just in diesem Moment in ihre FC-Bettwäsche heulen und Christoph Daum verfluchen. (Bei Fener handelt es sich wahrscheinlich um eine Herzensangelegenheit Daums!) Welche mürben Gedanken wohl gerade dem zurückkehrenden kleinen Prinzen in Windeseile durch den weichen Keks wabern? Ein Königreich für eine leise Ahnung. Unterdessen hat sich unlängst auch Martin Jol mirnichtsdirnichts mal eben so nach Amsterdam verabschiedet und den Hanseaten eine Riesenbaustelle hinterlassen. Wow! Unfaßbar, wie unerwartet schnell das alles geht. (Leverkusener haben wenigstens vor der ausstehenden Entscheidung noch Vorlaufzeit bekommen!) In Cottbus (plötzlich ohne Trainer, worauf man allerdings Geld hätte setzen können) und Osnabrück haben sie letzte Woche noch gedacht, der Relegationsplatz am letzten Spieltag sei als Segen zu begreifen, war man schließlich nicht abgestiegen und eine Woche später, Zack!, sind beide mal eben so, mit ein paar Toren und warmen Worten der unterklassigen Gegner und diverser TV-Moderatoren garniert, in die Zweit-, bzw., Drittklassigkeit komplimentiert. Da bleibt ja noch nicht mal Zeit zur Verabschiedung, so zügig gingen die Deals über die Bühne. Schschschüsssssss... und weg! Der Fußball, so viel Platz für Phrasen ist in diesem kleinen, sympathischen Familienblog gestattet, ist vielerorts ein schnelllebiges (Scrabble-Freunde aufgepaßt: Dreifacher Buchstabenwert!) Geschäft. Da wäre es umso angebrachter, zumindest in Mönchengladbach mal auf ein Gegenmodell zu setzen. Das Plädoyer kann daher eigentlich, wenn ich Max Eberl richtig verstanden habe und Werder Bremen der Maßstab sein soll, nur lauten: Im Zweifel für Friedhelm Funkel. Und zwar länger als ein Jahr, egal was da in Zukunft so alles kommen mag. Aber lassen wir uns überraschen, im Fußball ändern sich die Dinge ja manchmal so was von schnell. Wünsche eine kurzweilige Woche!

Gastkolumnist Dr. Theo Soph pfeift normalerweise Montags beim FohlenKommandO die neue Woche an

30.5.09

Talentschuppen

Samstag ist ein guter Tag, um reinen Tisch zu machen; den stinkenden Kehricht der Woche zusammenzufegen und im hohen Bogen über den Balkon zu werfen. So auch einen Kommentar eines gewissen Nils Reschke, "Chefredakteur" des deutschen Ablegers von goal.com. Ja, goal.com, die erst vor ein paar Wochen die Fußballwelt in Verwunderung versetzt hatten, als sie den "wohl" feststehenden Wechsel von Bruno Labbadia zu Kaiserslautern "exlusiv" vermeldeten. Mission erfüllt, denn diese Meldung schaffte es bis auf Spiegel online.

Reschke, "eine Länge voraus", nimmt sich nun Max Eberl zur Brust und wirft ihm "Undank" gegenüber Marko Marin vor, weil dieser anscheinend nicht bereit war, über einen Wechsel mit Borussia sprechen, sondern seine Entscheidung "zwischen Tür und Angel" mitteilte. Nun ist es eine Sache, aus der Aussage Eberls, diese Art sei nicht korrekt, Undank seitens des Vereins abzuleiten. Es braucht ein wenig Phantasie dazu, aber die kann im Online-Business ja nie schaden. Reschke geht aber noch weiter und hebt die Redlichkeit Marins hervor, der eben "kein Pokerspiel" veranstalte, sondern "mit offenen Karten" spiele. Außerdem sei für ihn der bessere Verdienst in Bremen nebensächlich; wenn das so wäre, so Reschke, hätte Marin seine Entscheidung am "Verhandlungstisch erörtert".

Soweit, so verquer. Reschke sieht allerdings den Zusammenhang nicht: Marin hat noch ein Jahr Vertrag in Gladbach. Die Tatsache, dass er es nicht für nötig hält, mit Borussia zu verhandeln, deutet doch gerade auf ein Pokerspiel hin. Er weiß, dass nur jetzt eine Ablöse für ihn möglich ist, und das gibt ihm ein ziemlich gutes Blatt.

Bremen, dessen 10. Platz laut Reschke ein Ausrutscher war (skeptischer dazu Biermann), sei zudem eine Art Garant dafür, dass es Marin nicht wie Schlaudraff in München ergehen werde. Ähnlich optimistische Vorhersagen hatte Nilsi schon vor dem letzten Spieltag verkündet, als er einen Bremer Sieg in Wolfsburg, einen Suttgarter Sieg in München ("Doppelpack von Mario Gomez") und einen Berliner Sieg in Karlsruhe herausposaunte.

Nun ja, Nils Reschke, meine Damen und Herren. Und das sage ich jetzt in vollem Ernst: er bringt alles mit für eine lange und erfolgreiche Karriere im deutschen Sportjournalismus.

29.5.09

Warum Hans Meyer (mal wieder) alles richtig gemacht hat

Nun ist es also raus: Hans Meyer verlässt die Borussia zum zweiten Mal und überlässt die Trainerarbeit einem Anderen. Besonders überraschend kam die Entscheidung nicht. Genau genommen war sie die einzig vernünftige. Schon beim Dienstantritt hatte Hans Meyer gesagt, dass Borussia seine letzte Station sei und er spätestens 2010 in Rente gehen würde. Somit wäre er in der kommenden Saison das gewesen, was der geneigte US-Amerikaner Lame Duck nennt. Dies ist für einen Trainer höchst brenzlig, weil er ja auf die Leistungsbereitschaft seiner Spieler angewiesen ist. Wenn diese sich nicht mehr ins Zeug legen, weil sie nur noch den Abgang des Trainers abwarten, wird es für den Verein gefährlich. Die Bundesliga hat dafür genügend Bespiele hervorgebracht. Erinnert sei zum Beispiel an Dragoslav Stepanović, der als Frankfurter Trainer bei Leverkusen unterschrieb um kurz darauf im Pokal gegen seinen neuen Brötchengeber mit 0:3 unter die Räder zu kommen. Hans Meyer hat Borussia vor dieser Situation bewahrt. Da er ohnehin Mitte 2010 aufhören wollte, kann man die Verpflichtung eines neuen Trainers als "Vorgriff auf die neue Saison" betrachten. Es wäre bei Borussia ja nicht das erste Mal.

Überraschend ist allerdings die Tatsache, dass sich die Presse mit Bewertungen des Rücktritts stark zurückhält. Insbesondere der Boulevard, der sonst jedes Augenbrauenhochziehen von Hans Meyer kommentiert und kritisiert hat, wollte diesmal keine Meinung abgeben. Verständlich, denn einerseits hat man das lange verfolgte Ziel (mal wieder) erreicht, andererseits fehlt das Objekt, das für mindestens einen Artikel pro Tag gut war.

Klare Aussagen kommen nur von den Fanzines: Torfabrik hat schon früh gefordert, dass Meyer gehen solle. Allerdings nennen sie das angespannte Verhältnis zu den Medien als ausschließliches Argument für ihre Forderung. Amüsant wird es aber bei Seitenwahl. Dort wird der Abgang prinzipiell begrüßt, allerdings hätte man sich doch eine frühere Entscheidung gewünscht. Bedenkt man, dass Meyer sich mit der Rücktrittsankündigung vor Saisonende aus den genannten Gründen selber geschwächt hätte, ist diese Aussage geradezu grotesk. Nun hat er sich nach dem letzten Spiel 5 Tage Zeit genommen, um seinen Rücktritt zu verkünden. Nicht wirklich viel, wenn man bedenkt, dass es bis zum Saisonbeginn noch weit mehr als 2 Monate sind. Von einer verpassten Chance, Gladbach mit völlig weißer Weste zu verlassen, wie es Seitenwahl schreibt, kann also nicht die Rede sein.