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Ungewollt einig

Die etwas andere Meinung (4)

Am Wochenende hat „die Borussia“ in Kaiserslautern verloren. Wenn sie gewonnen hätte, hieße es „wir haben gewonnen“ oder zumindest „unsere Borussia“, denn im Erfolg ist man vereint.

Jetzt fragt sich manch ein Zuschauer, was er denn nun tun kann, um den regelmäßigen Auswärtspleiten den Garaus zu machen. Bewährt hat sich im Fußball seit Jahren schon selbstgefälliges Gelaber, verkauft unter dem Deckmantel „Analyse“: "Wir müssen mehr mannschaftliche Geschlossenheit zeigen." Jetzt musste der Hauptproduzent von solch geistigem Überfluss Paul Breitner aber auch aus den eigenen Reihen hart einstecken. Hinterbankschwätzer Klaus Schlappner wird folgendermaßen zitiert: „Wenn ich Breitner höre, die Bratwurst. Der hat im Spiel nie Verantwortung übernommen. Jetzt will der uns erzählen, was richtig oder falsch ist." Wie können diese Personen mannschaftlicher Geschlossenheit fordern, wenn sie sich selbst in ihrer Gilde nicht einig sind? Überhaupt muss man schon seit Jahren feststellen, dass uns auch beim polternden Draufhauen die anderen Nationen den Rang abgelaufen haben („Es gibt keine kleinen Gegner mehr“). Vor jeder Saison müssen wir uns sogar in der BILD von Max Merkel, einem Österreicher (!) aufzeigen lassen, wie man richtig ledert.

Wenn meckern schon nichts bringt, was dann? Vielleicht sollten die Zuschauer streiken. Nur, wie soll dass vonstatten gehen? Gerade beweisen uns deutsche Klinikärzte, dass wir Deutschen keine Streiknation sind. Wir können es einfach nicht. Was ist das denn für ein Ärztestreik, wenn alle Patienten behandelt werden? Wenn sich in Frankreich ein Fluglotse darüber ärgert, dass in seiner Bäckerei die Baguettes aus sind, dann ist er sich mit seinen Kollegen einig und gemeinsam wird kurzerhand für drei Tage der gesamte Flugbetrieb lahm gelegt. Und wenn französische Jugendliche richtig sauer sind, dann werden ein paar tausend Autos in Brand gesetzt und die öffentliche Aufmerksamkeit ist ihnen gewiss. Auch ein italienischer Lokführer hat keinerlei Skrupel, mit seinen Kameraden den kompletten Bahnverkehr für mehrere Tage außer Gefecht zu setzen, wenn sein Capuccino zu kalt war. In Deutschland merkt man dagegen nicht einmal, wenn gestreikt wird. Wen stört es denn schon, wenn der Müll eine halbe Stunde später abgeholt wird als üblich oder man beim Arzt statt einer Stunde sechzig Minuten warten muss? Auch Streiken scheidet also aus.

Es bleibt also nichts anderes übrig, als die Situation so hinzunehmen wie sie ist. Und so sind Zuschauer und Mannschaft auch in der Not geeint, weil beiden die Mittel fehlen, etwas zu ändern.

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