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Faserland ist abgebrannt

Der Disziplin der Volkswirtschaftslehre wird häufig ein gewisser Drang zum Imperialismus nachgesagt. Gemeint ist damit, dass es mitunter Ökonomen gibt, die sich nicht scheuen, ihre Werkzeuge auch auf Gebiete weitab des eigentlichen Wirtschaftslebens anzuwenden. Von "Atomkrieg bis Zähneputzen" ist der Profession wenig fremd.

Nun hat ein Ökonom der Weltbank, Branko Milanovic, ein ökonomisches Modell der Globalisierung des Fußballs vorgestellt, das klare Lehren für die Situation des deutschen Fußballs zulässt. Kurz zusammengefasst, stellt Milanovic eine Produktionsfunktion für Fußballligen auf, wobei als Output die Anzahl der geschossenen Tore eine Näherung des Erfolges im Fußball darstellt. Die verschiedenen Ligen werden anhand ihrer "Fußballgröße", also des Anteils der im Fußball aktiven Bevölkerung, nach der jeweiligen Qualität der Spieler geordnet. Nun kommt eine entscheidende Besonderheit des Geschäfts ins Spiel: während in den Klubwettbewerben eine (fast) absolute Freizügigkeit von Spielern herrscht, ist die Ebene der Nationalmannschaften stark reglementiert: kein Spieler kann das Land wechseln, wenn er einmal für eine bestimmte Nationalmannschaft aufgelaufen ist. In der Globalisierung des Fußballs hat das nun zur Folge, dass Spieler aus "schlechten" Fußballnationen in die Ligen der "guten" wechseln, dort für Vereine spielen, aber immer noch nur für ihr Heimatland bei Welt- und Europameisterschaften. Wenn man nun weiterhin davon ausgeht, dass das Können von Fußballspielern zunimmt, wenn sie mit besseren zusammenspielen, wird sich auch das Niveau der schlechten Nationalmannschaften anheben. Dies ergibt sich daraus, dass einige gute Spieler in "großen" Ligen spielen, sich verbessern und mit höheren Fertigkeiten zu ihren Nationalmannschaften zurückkehren. Das beste Beispiel ist wohl die Elfenbeinküste, die ihre erstmalige WM-Qualifikation zu großen Teilen ihres Stürmers Didier Drogba zu verdanken hat, der im Hauptberuf bei Chelsea regelmäßig mit und gegen die Besten der Welt spielt. Dieses Modell ist also ein ökonomischer Beweis der Stammtischweisheit: "Es gibt keine kleinen Gegner mehr". Milanovic bringt einige empirische Beweise zur Untermauerung der These. So ist bei Weltmeisterschaften die Tordifferenz zwischen den Eliteteams und allen anderen in den letzten fünfzig Jahren um die Hälfte zurückgegangen.
Es bleibt also festzuhalten, dass der Globalisierungseffekt im Fußball die kleinen, schlechteren Auswahlmannschaten besser werden lässt.

Soweit so gut. Wo kommt Deutschland ins Spiel? Nicht nur, dass die Deutschen in letzter Zeit häufig gegen die (alten) Kleinen schlecht ausgesehen haben, sondern auch, dass sie schon lange nicht mehr gegen einen Großen gewinnen konnten. Das Grundproblem, das bei den Stammtischen notorisch vernachlässigt wird, ist, dass die deutschen Spieler mittlerweile zu wenig an der oben beschriebenen Globalisierung teilhaben. Der Grund für diese Ignoranz ist das immer noch felsenfeste Glaubensbekenntnis, die Liga könne noch mit der italienischen, spanischen und englischen mithalten. Im Kader der Nationalelf hingegen stehen derzeit nur zwei "Legionäre", wobei einer für seinen Verein fast nie spielt. Doch Huth weiß sehr genau, dass ihn das Training bei Chelsea weiterbringt als regelmäßige Spiele in der Bundesliga, und sei es für Bayern München. Bei der WM 1990 spielten die Leistungsträger der deutschen Siegermannschaft alle bei italienischen Klubs. Warum das jetzt nicht mehr so ist, kann an dieser Stelle nicht beantwortet werden, aber die Frage sei erlaubt: ja, ist denn Deutschland überhaupt noch einer der "Großen"? Ich sage, es wird immer kleiner werden, wenn nicht ein paar Spieler schleunigst die Herausforderung, in einer anderen Liga zu spielen, annehmen. Die alte Freundin aus der B-Jugend können sie ja mitnehmen.

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