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The times they are a-changin'

Jeff Strasser, alter Haudegen, Freund des spochtverbundenen Vergnügens,

Du hast es vielleicht schon länger geahnt und jetzt ist es zur bitteren Gewißheit geworden. «Undank ist und bleibt der Weltenlohn». Vorbild warst Du immer. Ein Vorbild für alle mäßig begabten Fußballer. Du hast bewiesen, daß man es trotzdem schaffen kann und alleine dafür mag ich Dich. Du hast allen verhinderten Profis lange eindrucksvoll vorgelebt, daß mit Einsatz und Willenskraft alle technischen Defizite wettzumachen sind und man trotz alledem in der Liga der Großen mitspielen kann, wenn man nur will. Du warst nie der Stehgeiger, das ewige Talent mit sensationeller Veranlagung, aber deswegen hat Dich auch kein Verein unter Vertrag genommen. Du warst einfach Du selbst und bist auf den Platz gegangen und hast Dein Bestes gegeben. Sogar zum Kapitän hat man Dich deswegen gemacht und das muß wirklich ein innerer Vorbeimarsch gewesen sein. Und jetzt? Auf einmal soll das alles nicht mehr gut genug sein? Nonsens! Kämpferisch, Deine eingesprungene Blutgrätsche an der Eckfahne, stets ein Fanal an die lustlos mittrabenden Kollegen! Selbstlos, Dein klärender Ball in Richtung Oberrang (gefühlte «hangtime» ca. 30 Sekunden), der den desorientierten Mitspielern immer wieder die Möglichkeit bot, sich wieder auf der ihnen zugedachten Position einzufinden, nur um dann anschließend selbst zu glänzen! Belehrend, Deine spieleröffnenden 50 Meter Pässe in den Lauf der Gegenspieler, die den irrlichternden Stürmern immer wieder ihre falschen Laufwege aufzeigten! Hinter Deinem Rücken wurde natürlich immer über Dich und Deine Art Fußball zu spielen gemeckert, wie Du weißt. Aber Du hast die Kritik stets mit Würde ertragen. Hast Dich bereitwillig den Fans und Medienvertretern gestellt, hast geduldig Rede und Antwort gestanden, analysiert, Dinge auch mal beim Namen genannt und Schuld auf Dich genommen. Und immer dann, wenn Dich Fans und Journalisten in die ewigen Jagdgründe schicken wollten, hast Du Dich selbst am Schopfe aus dem Sumpf gezogen, ein paar unerwartete aber feine Tricks gezeigt und ein sensationelles Spiel abgeliefert.

Jetzt sollst Du Dir plötzlich über Deine persönliche Zukunft Gedanken machen. Zwei Tage hat man Dir dafür Zeit gegeben. In anderen Worten, Du hast ab sofort ausgedient bei Borussia Mönchengladbach. Sollst Dir flugs einen neuen Arbeitgeber suchen, denn die «Jungen» haben Dir klammheimlich den Rang abgelaufen und Solidarität ist da nicht zu erwarten, das ist doch klar. Wahrscheinlich ist das kein wirklich gutes Gefühl. Aber Du bist Profi und wußtest, dieser Moment würde irgendwann kommen. Schade, aber so ist das nun mal mit der Dankbarkeit. Vereinzelt bellen zwar ein paar Hunde, aber die Karawane zieht trotzdem gelassen weiter. Mir tut es trotzdem irgendwie leid. Falls Du Dich jetzt tatsächlich dazu entscheiden solltest, irgendwo anders Publikumsliebling werden zu wollen, dann wünsche ich Dir viel Glück dabei und entlasse Dich im Gottfried Benn – Sommer augenzwinkernd in Richtung der neuen Kritiker mit einem kleinen Gedanken:

«Genialität, die von etwas anderem ausgeht als den Mitteln, die ihr sich auszudrücken zur Verfügung stehen, ist Dilettantismus

Tja, manche werden es einfach nie verstehen. So long, Jeff!

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