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Es ist noch Suppe da

Sehr verehrte Freunde des spochtverbundenen Vergnügens,

der (neue) alte Trainer ist weg und schon ist ein (alter) neuer Trainer eingestellt. Schön und gut. Ob die Hausaufgaben von Seiten des Managements und des Präsidiums dabei zufriedenstellend erledigt worden sind, darüber kann man in der Tat geteilter Meinung sein. Fakt ist, daß Horst Köppels Arbeit seit Saisonbeginn unter einem schlechten Stern stand. Als Interimstrainer rettete er die Mannschaft in der Saison 04/05 vor dem Abstieg und wurde dafür auch verdientermaßen gefeiert. Aber während die Fans, die nach dem Trainerroulette der Vergangenheit endlich Kontinuität herbeisehnten, die sofortige Weiterbeschäftigung des Trainers forderten, schienen die Verantwortlichen, vor allem in Gestalt des ebenfalls neu eingestellten Managers Peter Pander, die Weichen in eine andere Richtung stellen zu wollen. Eine verfahrene Situation. Auf der einen Seite der Zuspruch des fast bedingungslos treuen und zahlenden Plebs. Auf der anderen Seite die zukunftsorientierten Vorstellungen des Managers.

Den Trainer sofort wieder ins zweite Glied oder gleich in Rente zu schicken, schien aufgrund der teils unglücklichen, teils desaströsen Geschehnisse unter Dick Advocaat unmöglich. Köppel tat wie gefordert und er hatte das notwendige Quäntchen Glück, das seinem Vorgänger verwehrt geblieben war. Aber Glück kann man sich bekanntlich auch erarbeiten. Und die besseren Karten hatte daher in den Vertragsverhandlungen eindeutig Horst Köppel. Man darf annehmen, daß dem von ihm geforderten Zweijahresvertrag eher zähneknirschend zugestimmt wurde. Und das war der Fehler. Aufrichtig und zukunftsweisend wäre es gewesen, Horst Köppel nach dem letzten Spieltag zu gratulieren und ihm aus lauter Dankbarkeit jeden Wunsch von den Lippen abzulesen. Nur nicht den, ihn hernach auch zum vertragsmäßigen Cheftrainer zu machen. Nicht, weil ihm die Trainerqualitäten abzusprechen wären, sondern weil man aus diversen Gründen nicht wirklich längerfristig mit ihm arbeiten wollte. Wären die Bedenken und oft zitierten sportlichen Zukunftsvorstellungen anhand überzeugender Argumente seitens des Managers dargelegt worden, man hätte sich wahrscheinlich auch vor 12 Monaten einvernehmlich trennen können. Zum Wohle des Vereins und zum Wohle Köppels.

Letztendlich wäre damit allen geholfen gewesen. Dem Trainer, der als lebendige, zweimalige Interimsikone in die Vereinsgeschichte eingegangen wäre. Dem Management, das sich schon vor einem Jahr sorgfältig nach einem Wunschkandidaten hätte umsehen können. Dem Verein, der sich eine weitere Saison des Rumgurkens hätte ersparen können. Und letzteres Argument wäre mit Sicherheit auch zur Zufriedenheit der Fans geraten. Unverständnis und Ärger über Köppels kurze Beschäftigungsdauer hätten aller Wahrscheinlichkeit nach eine ebenso geringe Halbwertzeit gehabt, wie die schnell und laut geschmetterten Choräle des Niedergangs vor seinem Rausschmiß. Was unbeantwortet bleiben muß ist die Frage, warum sich Verantwortliche allerorten nicht trauen, erfolgreiche Feuerwehrmänner (ohne oder gerade trotz Vertrag) mit der ihnen zustehenden Abfindung genauso schnell wieder zu verabschieden, wie sie kurz zuvor aufgetaucht sind. Wer weiß, Peter Neururer wäre vielen Vereinsbossen möglicherweise in bester Erinnerung geblieben, hätten sie, um es in den emotionalen Worten Oliver Kahns zu sagen, die Eier gehabt, frühzeitig gehandelt und den Mann für seinen kurzfristigen Erfolg fürstlich entlohnt. Schade, Borussia hätte im letzten Sommer somit ein echter Trendsetter sein können.

Wo wir gerade von Trend sprechen...gerade der kann einem ja ein guter Freund sein und gute Freunde kann bekanntlich niemand trennen. Daher schickt sich nun ein weiterer guter Freund der Borussia an, schon wieder den Cheftrainer zu geben. Don Jupp «Osram» Heynckes (ja, wir werden diese Kosenamen in Zukunft noch häufiger lesen) ist seit zwei Tagen hauptamtlicher Übungsleiter im Borussia-Park. Dagegen ist nichts zu sagen. Zum einen, weil es sich absolut verbietet, einen erfolgreichen Trainer schon vor seinem Arbeitsantritt kritisieren zu wollen, auch wenn das Geschrei mancherorts schon wieder groß war. Wahrscheinlich eine gewohnheitsbedingte Reflexhandlung. Zum anderen, weil man irgendwann auch keine Lust mehr hat, aus zwangsweise angeeigneten, purem Defätismus ständig nur die Haare in der Suppe suchen zu wollen. Lieber möchte man sich mal wieder an der schmackhaften Einlage derselbigen laben. Dennoch, um zum Ausgangspunkt zurückzukommen, seit Dienstagnachmittag ist man kurzfristig geneigt, den Oberkellner an den Tisch zitieren zu wollen. Einige Fragen gäbe es da. Zum Beispiel die, warum das mit der Bestellung denn bitteschön so lange gedauert hat, wenn in der Küche doch scheinbar seit Monaten an der Brühe gewerkelt wurde? Und warum wird seit dieser Zeit scheinbar nur auf Sparflamme geköchelt? Es läßt sich nämlich trotz beträchtlichen Appetits nicht verhehlen, daß die Gaumenfreude im Augenblick noch eher lauwarm aufgetischt wird. Oder ist das gar so gewollt? Zumindest in Spanien, das wird Jupp Heynckes kennen, weiß man eine laue Gazpacho schließlich durchaus zu schätzen. Fragen auf die man gerne eine Antwort gewußt hätte, zumal das Preis- Leistungsverhältnis bei kritischer Beobachtung seit dem Umzug in den Borussia-Park in vielerlei Hinsicht zu wünschen übrig läßt.

Ebenso fragwürdig ist die Tatsache zu bewerten, daß bisher keine Neuverpflichtungen präsentiert wurden. Es ist einerseits durchaus vernünftig, Ziele behutsam zu formulieren und konsequent an deren Umsetzung zu arbeiten, ohne dabei in blinden Aktionismus zu verfallen. Blinde haben wir darüber hinaus schon ausreichend oft bestaunen dürfen. Andererseits: war es angesichts einer Saison bar der üblich besorgniserregenden Abstiegssorgen tatsächlich nicht möglich, auf den entscheidenden Positionen Verstärkungen zu akquirieren? Oder handelte es sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme? Sollte der künftige Trainer mitentscheiden dürfen? Das mag ja, positiv formuliert, nett gedacht sein, führt aber wiederum nur zu dem einen leidigen Ergebnis. Die Rückrunde wurde hinsichtlich der sich bietenden Möglichkeiten in mehrfacher Perspektive fahrlässig verschenkt. Tabellarisch, transfertechnisch und personalpolitisch. Angesichts dieser Tatsache sollte an dieser Stelle vielleicht noch einmal darauf hingewiesen werden, daß auch fahrlässiges Handeln strafbar sein kann. Lediglich das Strafmaß steht nicht fest. Im besten Fall kann im Zweifel für den Angeklagten entscheiden werden. Wenn es schlecht läuft, dann findet sich der Manager schon recht bald auf der Anklagebank wieder. Dummerweise wird allerdings, das steht zu befürchten, eher wieder der Trainer verknackt werden. Das Strafmaß: Rente vor 67, zusammen mit seinem Freund Horst.

Sollte es Peter Pander nicht bald gelingen, zumindest endlich einen schlagkräftigen 6er und einen spielerisch überzeugenden, torgefährlichen 10er für den künftigen Kader zu verpflichten, dann braucht es auch keinen neuen Trainer. So wird aus dem Wechsel von Köppel zu Heynckes nämlich kein Quantensprung in die Zukunft, sondern lediglich ein Luftsprung auf der Stelle. Über Talente verfügt Borussia und diese sollten weiterhin an die erste Mannschaft herangeführt und integriert werden. Aber es ist und bleibt unumgänglich, weitere und vor allen Dingen bessere Spieler zu verpflichten. Spieler die einen erfolgreichen Weg unter Anleitung des Trainers einschlagen können und an denen die jungen Talente wachsen können. Ansonsten wird die «Marke Borussia» auch zukünftig nur finanziell, aber nicht spielerisch mit den Großen konkurrieren können. Auch damit kann man leben, solange es dann nicht wieder heißt: «Wir sind noch nicht so weit!» Dem kann man nur entgegnen: «Herr Pander, wir wären jetzt endlich so weit!» Und auf Worte sollte man bekanntlich Taten folgen lassen.

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