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Vom Feeling her ein gutes Gefühl

Sehr verehrte Freunde des spochtverbunden Vergnügens,

die katastrophale Auswärtspleitenserie ist auch am vergangenen Wochenende nicht gerissen. Der Geist war, wie auch schon in Hamburg, zumindest willig, aber das Fleisch war wiederholt nicht stark genug. Fairerweise muß man erwähnen, daß der leitende Schiedsrichter es der Fohlenelf auch nicht einfach gemacht hat. Zum allgemeinen Entsetzen kam nicht der Spochtsfreund Nowotny, nach seiner rüden Attacke gegen Eugen Polanski, in den Genuß einer verfrühten Duschgelegenheit, sondern Niels Oude Kamphuis, den Herr Rafati etwas überraschend in der 37. Minute nach einem eher harmlosen Foul mittels Ampelkarte zum Planschen ins Entmüdungsbecken schickte. Zwei Spieler des Gladbacher Dreiermittelfeldes waren somit aus dem Verkehr geräumt, während Nowotny gemeinsam mit Ramelow weiter gegen giftige Gladbacher aufräumen durfte. Bedauerlich, wirklich sehr bedauerlich. Aber was auswärts mit elf Spielern schon nicht gelingt, das darf man von nur zehn Kickern nicht unbedingt erwarten, auch nicht zu Ostern. Vielleicht hätte es der totgeglaubten Auswärtsmoral geholfen, am Ostersonntag in der Bayarena... nun gut, man weiß es nicht, alles reine Spekulation. So harrt man also weiter gespannt auf einen Auswärtserfolg.

Allerdings: Mit den Erfolgen ist das so eine Sache. Während die Auswärtserfolge in ihrer Einzigartigkeit schon kaum zu überbieten sind und ein Auswärtsdreier am Niederrhein mindestens so sehnsuchtsvoll erwartet wird wie anderswo der Messias, so verhält es sich mit dem Erfolg im Allgemeinen ähnlich dem Wetter. Es wird deutlich zwischen dem «tatsächlichen» und dem «gefühlten» Erfolg unterschieden, und bei diesem Vergleich liegen stets mehrere Grad Unterschied zwischen den ermittelten Werten. Der tatsächliche Erfolg ist ein, gemessen an den drei vergangenen Jahren, ziemlich gewaltiger Aufschwung. Die Mannschaft ist zwar immer noch nicht in der Lage, die von ihr erwartete Konstanz im Verlauf einer kompletten Saison zu beweisen, aber immerhin haben die Fohlen endlich die ersehnte Hürde von den Abstiegsrängen hinein ins biedere Mittelfeld der Liga genommen. Diese Erkenntnis mag den geneigten Fan, auch aufgrund der sich bietenden Möglichkeiten im oberen Tabellendrittel, möglicherweise nicht vor Begeisterung vom Stuhl hauen, aber es ist und bleibt eine erfreuliche Feststellung.

Während in den vergangenen Jahren auf der Stelle getreten und der Abstieg immer erst kurz vor knapp vermieden werden konnte, hat die «Marke Borussia» in ihrer Gesamtentwicklung in diesem Jahr einen weiteren Schritt nach vorn gemacht. Das wurde von den Verantwortlichen stets so vorgegeben und das haben sie auch eingehalten. Wie nachhaltig allenthalben rund um den Borussia-Park gearbeitet wird, beweist auch ein SZ-Artikel vom 10.04.2006. «Gut Ding will Weile haben» sagt der Volksmund. Des Volkes Mund steht aber oft im krassen Gegensatz zu des Volkes Empfinden. Da stehen vielen Anhängern der Borussia nämlich nur allzu oft die Haare zu Berge. Eine Gänsehaut des Erschreckens übermannt die Fans in regelmäßigen Abständen ob der gebotenen Leistung, da kann auch der Verfasser sich nicht gänzlich ausnehmen, und läßt uns alle Erschaudern. Der gefühlte Erfolg der Borussia liegt nämlich irgendwo um den Gefrierpunkt. Und das ist ebenso kalt wie bedauerlich. Es ist trotzdem an der Zeit, die schrittweise Entwicklung, auch wenn sie tatsächlich und gefühlt eine kleine Ewigkeit gedauert zu haben scheint, auch einmal anerkennend zu würdigen.

Aber gemosert wird schließlich immer. Während allerorten, und das nicht erst seit gestern, mal wieder etwas lauter über den weiteren Verbleib des Übungsleiters spekuliert wird, ist es unerläßlich, die Frage nach der gefühlten Notwendigkeit eines weiteren Trainers zu stellen. Seit der Post-Meyer-Ära haben es die Verantwortlichen mit einem sogenannten Feuerwehrmann (Lienen), einem unverbrauchten Gesicht der Trainergilde (Fach) und einem internationalen Fachmann (Advocaat) an der Außenlinie versucht und sind mit diesen Experimenten letztlich grandios gescheitert. Jetzt darf es, aus der Not geboren, seit einem gutem Jahr der «liebe Opa Horschtl» versuchen und dem ist immerhin gelungen, was seinen Vorgängern insgesamt versagt geblieben ist: Er hat erfolgreich umgesetzt, was Fans und Präsidium von ihm erwartet haben. Nun läßt sich vortrefflich darüber streiten, ob Horst Köppel ein Mann für Mönchengladbachs Zukunft ist. Die einen sagen so, die anderen bekanntlich so. Fakt ist: Lediglich das Geschrei nach neuem Personal hilft nicht weiter. Und was sollte sich nach einem Trainerrauswurf verändern? Die Auswärtsbilanz ist seit dem Wiederaufstieg von keinem Trainer in den Griff bekommen worden. Die spielerische Klasse hat sich nur zaghaft, vor allen Dingen aber in dieser Saison verbessert. Die Qualitäten der jungen Talente einzuschätzen und einzusetzen vermag vor allen Dingen der aktuelle Trainer, der die Jungs schon bei den Amateuren trainiert und gefördert hat. Und wer Probleme mit dem Image Köppels hat, der sei daran erinnert, daß «harte Hunde» ihre Methoden genauso schnell abnutzen. (War der allgemeine Beliebtheitsgrad eines Dick Advocaat in Plusgraden überhaupt meßbar?) Und wer bringt die Zeit und die Geduld mit, den neuerlichen Vorstellungen und dem Aufbau einer Mannschaft unter einem anderen Trainer zuzusehen?

Für die letzten vier Partien sei allen Zauderern daher ein dicker Pullover empfohlen, das warme Wetter läßt sich schließlich auch besonders viel Zeit dieses Jahr. Wer trotzdem friert, der sollte sich, wenn er sich die nächsten Spiele unserer Borussia anschaut, bei der Erinnerung an die letzten Jahre ein paar warme Gedanken machen. Die gefühlte Temperatur wird höchstwahrscheinlich merkbar steigen. Ein Plätzchen an der Sonne ist nämlich nicht jedem automatisch vergönnt, für unsere Verhältnisse ist’s aber eigentlich ganz beschaulich. Wer weiß, vielleicht kommt der Sommer ja auch ganz bald.

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