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Gefahr erkannt! Gefahr gebannt?

Sehr verehrte Freunde des spochtverbundenen Vergnügens,

wem die Arbeitsatmosphäre einer Bank partout nicht behagt und wer sich obendrein zu höheren Weihen befähigt fühlt, der sucht sich eben einen anderen Zeitvertreib. Statt als Oberindianer des Sparkassen- und Giroverbandes zu fungieren, kann man schließlich auch als Managing Director des Internationalen Währungsfonds dabei mithelfen, ein Land wie Argentinien kurzzeitig komplett vor die Wand zu fahren. Oder man wird einfach Präsident aller Deutschen und spielt den Grüßaugust. Oder man probt vor Gericht Zeichensprache durch Fingersymbolik. Oder man testet zusammen mit Peter Hartz die Qualitätsmerkmale durchgelegener Federkernbetten. Oder man wird Sportdirektor. Noch so ein trauriges Beispiel, welches immerhin in Mönchengladbach seit gestern ein vorzeitiges Ende gefunden hat. Peter Pander, Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach, ist von seinem Amt zurückgetreten (worden). Viele Tränen werden ihm wohl nicht nachgeweint werden, machte Pander in seiner recht überschaubaren Amtszeit doch regelmäßig eine unglückliche Figur. Aber wenigstens das auf hohem Niveau. Er, der sich rhetorisch bereits selbst als Kern des Mönchengladbacher Problems erkannt hatte, bekam nun die längst fällige Antwort auf seine Frage in Form der Papiere offiziell mitgeteilt und den vollgetankten und gewaschenen Dienstwagen entzogen.

Für einen Moment bin ich geneigt, im Zusammenhang mit Pander und der sportlichen Misere einen Kalauer der ganz besonders üblen Qualität anbringen zu wollen. Das Wortspiel mit der Büchse der Pandora verkneife ich mir nur, weil es auch vor Panders Amtsantritt schon lange Zeit nicht rund lief und es somit ungerecht wäre, den schlechten Trend der letzten Jahre lediglich an ihm und seiner Amtsperiode festmachen zu wollen. Fakt ist aber: Pander hat vieles versäumt. Er hat es versäumt, aus dem gegebenen finanziellen Spielraum eine Mannschaft zu formen, die fußballerisch den Mindestanforderungen genügt. Und diese Mindestanforderungen sind beileibe nicht hoch. Nichts mit dem Abstieg zu tun haben und Stabilität erzeugen. Das ist eine lösbare Aufgabe. Zur Erinnerung, im Mai 2005 meinte Pander in einem Interview mit der Rheinischen Post: «Beim Fußball ist es anders als in einem Wirtschaftsunternehmen. Hier kann man Erfolg nicht einfach kaufen.» Seine Transferpolitik spricht aber eine deutlich hilflosere Sprache und es ist nun wirklich billig, auf die Flut der Ein- und Verkäufe angesprochen, sich als bloßen Erfüllungsgehilfen des jeweiligen Trainers reduzieren zu wollen. Von Mißverständnissen wie im Falle Schlaudraff oder Thygesen will ich hier erst gar nicht reden.

Aber es sind nicht nur die unzähligen, leider oft nur mittelmäßigen, Spieler. Drei Trainer in knapp zwei Jahren sind des Guten einfach zuviel. Das die Chemie zwischen Pander und Köppel nicht stimmte, ist eine Geschichte. Daß eben jener Köppel im April 2005 schon im Amt und auch nicht Wunschtrainer Panders war, eine weitere vieldiskutierte. Daß die Arbeit unter Jupp Heynckes auch nicht die gewünschten Ergebnisse abwarf, machte die seit Jahren gerne zitierten Mönchengladbacher Trainerpossen definitiv noch interessanter. Und das schlußendlich mit Jörn Andersen erst ein hoffnungsvoller Nachwuchstrainer in die Wüste geschickt, mit Jos Luhukay dann ein anderer aufstrebender Trainer auf der Bank Platz nehmen durfte, beweist, mit klarem Fußballsachverstand hat das alles nichts mehr zu tun. Die Geschicke in Mönchengladbach werden seit Jahren dem Prinzip «trial and error» unterworfen und Pander hat nie ernsthaft auch nur den leisesten Ansatz eines möglichen Auswegs aus dieser Situation erkennen lassen. Das ist nicht nur bedauerlich, es ist geradezu tragisch. Apropos Trainer, nicht mal Udo Lattek, der ein bedauernswertes Dasein als Trainerlegende in Wontorras Quasselbude an der Flughafentheke im Erdinger Moos führt, wußte Pander entsprechende Fakten entgegenzuhalten. Schlimmer geht’s nimmer, aber nichts für ungut.

Wenigstens in einem Punkt möchte ich Peter Pander dann doch gerne zustimmen. Der Neuen Rhein-Zeitung erzählte Pander beim «Sportgespräch» am 20.08.05: «Die Netzer, Overath und Effenberg, diese Typen finden sie nicht mehr. Von diesen Vorstellungen muß man sich endlich lösen.» Richtig! Eins, setzen! Netzer hockt in der Schweiz und macht für einen Ex-Fußballer in der freien Wirtschaft ziemlich viel ziemlich richtig; Overath kaspert sich beim FC mit Daum und Meier durch die Woche und auch der Tiger sonnt sich ansonsten sehr gut im Glanz seiner früheren Erfolge, resp. in Florida. Und deshalb darf er, die Raute im Herzen, auch weiterhin in aller Ruhe privatisieren. Effenberg übrigens ist kein gelernter Bankkaufmann, sondern schloß laut Munzinger-Archiv bei der Bundespost eine Lehre als Dienstleistungskraft ab, bevor er dann 1987 Profifußballer wurde. Zumindest Flüsterpost scheint er auch noch heute gern zu spielen, flüstert er seinen Spezis beim Boulevard in unregelmäßigen Abständen doch gerne mal den ein oder anderen Satz zu seinen Befindlichkeiten und Ex-Frauen und Antworten in Sachen Fußball in den Block. Das mag eventuell ein Grund gewesen sein, warum er sich jetzt eine «schallende Ohrfeige» von Borussias Verantwortlichen abholen durfte. Theater und Boulevard war in Gladbach nun wirklich genug. Mehr als man ertragen möchte. Auch auf die Gefahr hin, ich möge mich hier an dieser Stelle wiederholen: «Wie wär’s denn jetzt zur Abwechslung mal mit seriösem, erfolgsorientiertem Fußballtagesgeschäft?». Ich habe nämlich schon längst vergessen wie sich das anfühlt.

Den Verweis auf die Büchse von Pandora halte ich für nicht so abwegig. Sicher ist auch vorher einiges schief gelaufen, aber erst mit Peter Pan(der) kam das wirkliche Übel.
Zum Glück hat man sich von Effe distanziert. Kaum auszudenken, sie hätten den als Sportdirektor verpflichtet! Wenn ich mir seine Äußerungen im einschlägigen Boulevard ansehe, wird mir wirklich speiübel.
Ich hoffe einfach - viel mehr bleibt ja nicht - dass die Besetzung mit Ziege und die Zusammenarbeit mit Eberl, Korell und Luhukay von Erfolg gekrönt sein wird. Und dabei meine ich nicht bloß den kurzfristigen Erfolg, sondern spreche viel mehr von Seriösität und Perspektive. Das wäre doch wirklich mal eine angenehme Abwechslung.

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