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Im Namen des Volkes

Der Streit zwischen dem Hamburger SV und dem Online-Ticketportal bundesligakarten.de hat am 11.9.2008 ein vorläufiges Ende vor dem Bundesgerichtshof gefunden. Bundesligakarten.de bietet im Internet Karten für Fußballspiele an, wobei die Preise regelmäßig erheblich über dem offiziellen Verkaufspreis liegen. Auch der HSV ist davon betroffen und wollte das Angebot untersagen lassen.

Die Richter haben eine pragmatische Lösung gewählt: Sie unterscheiden, woher bundesligakarten.de die Karten hat. Soweit sie direkt beim HSV bezogen wurden, ist der Weiterverkauf verboten. Wurden die Karten aber von Dritten gekauft und dann an bundesligakarten.de weiterveräußert, bleibt das Angebot zulässig.

Begründet wird die Entscheidung mit den Geschäftsbedingungen des HSV. Dort steht geschrieben, dass der Erwerber verbindlich zusagt, die Eintrittskarte(n) ausschließlich für private Zwecke zu nutzen. Wenn bundesligakarten.de Karten beim HSV kauft, verletzt es diese Zusage und darf die Karten nicht weiterverkaufen. Wenn ein Dritter die Karten kauft und sie an bundesligakarten.de weiterverkauft, ist der Verkauf im Internet gestattet weil bundesligakarten. de nicht den Geschäftsbedingungen des HSV unterliegt und auch nicht für deren Einhaltung durch den Zwischenhändler verantwortlich ist.

Sowohl der HSV (Kai Voerste, Leiter Ticketing: „Wir sind mit dem Urteil weitestgehend zufrieden und sehr froh darüber, dass der BGH bestätigt hat, dass unsere Klage rechtmäßig ist.“) als auch bundesligakarten.de (Geschäftsführer Mark Schmits: „Wir freuen sehr über das positive Urteil aus Karlsruhe und fühlen uns bestätigt, dass der Tickthandel in Deutschland erlaubt ist.“) fühlen sich als Sieger des Rechtsstreits.

Die Realität sieht natürlich immer etwas anders aus. Dort dürfte es für die Ticketportale zunächst schwieriger werden, an Karten zu kommen, da sie nun auf verkaufswillige Personen angewiesen sind. Studenten, die mit Bussen zu den Vorverkaufsstellen gekarrt wurden, fallen übrigens nicht darunter. Private Verkäufer werden im Normalfall die undurchsichtigen Ticketportale meiden und eher über ebay verkaufen. So sagt bundesligakarten.de überhaupt nichts dazu, wie man ein Ticket verkaufen kann und wieviel Provision anfällt. Es wird lediglich ein nichtssagendes E-Mail-Formular angeboten. Noch windiger macht es ein weiterer Kartenanbieter namens seatwave.de. Dort steht in den Geschäftsbedingungen unter Punkt 4.5. Verkäufergebühr: Das Einstellen von Tickets kostet nichts. Aber wir erheben eine Gebühr, wenn ein Verkauf eines Tickets auf unserer Seite zu Stande kommt. Diese Gebühr nennen wir eine Verkäufergebühr. Die Verkäufergebühr, die im Falle des Verkaufs Ihres Tickets entsteht, wird Ihnen zur Bestätigung angezeigt, wenn Sie Ihr Ticket einstellen. Man soll also seine Karte anbieten und erst später erfahren, wieviel Prozent Provision vom Erlös abgezogen werden. Viagogo ist da schon etwas transparenter mit der Angabe von 15 % zzgl. Steuern. Nur ganz am Rande sei bemerkt, dass die nachträgliche Bestimmung der Provisionshöhe ebenso rechtswidrig ist wie Preisangaben ohne Mehrwertsteuer.

Eigentlich könnte man also denken, dass die Graumarkthändler im Internet ihre Läden dichtmachen könnten. Dabei gibt es aber noch ein kleines Problem, was sicherlich auch noch den HSV beschäftigen wird. Um den Handel von Tickets im Einzelfall zu verbieten müsste man nachweisen, dass die angebotenen Karten direkt vom Ticketportal beim HSV gekauft wurden, was nicht leicht fallen wird. Selbst wenn es irgendwann einmal gelingen sollte könnten die Ticketportale ohne großen Aufwand eine Firma zwischenschalten. Diese würde zwar auch gegen die Geschäftsbedingungen verstoßen, könnte aber weitgehend unerkannt agieren, weil sie nur an das Ticketportal weiterverkauft.

Die Herkunft der angebotenen Karten ist ohnehin vollkommen unklar. Bereits jetzt werden bei bundesligakarten.de Tickets für Spiele im Jahr 2009 angeboten, für die der Vorverkauf noch lange nicht begonnen hat. Ob diese Karten nun direkt beim Verein oder beim Zwischenhändler gekauft werden, ist noch gar nicht absehbar.

Wer als anständiger Fußballfan diesen grauen Markt, der in erster Linie den Besucher schröpft, bekämpfen will, hat eigentlich nur eine Möglichkeit. Er sollte vermeiden, bei den Ticketportalen Karten zu kaufen und sie so ihrer Geschäftsgrundlage berauben. Auch hier bestimmt die Nachfrage das Angebot. Dann können die Karten, die jetzt noch an Ticketportale zum überteuerten Weiterverkauf gehen, direkt vom Verein an den Besucher verkauft werden.

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