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WM-Reste

Die Fußball-WM ist seit zwei Wochen vorbei. In Erinnerung bleiben wird Spanien als Weltmeister, zahllose Spiele mit dürftigem Fußball und noch häufigere Schiedsrichter-Fehlentscheidungen einschließlich den obligatorischen Rufen nach dem Videobeweis und dem Chip im Ball. Leider haben es weder die Journalisten noch die Fernsehfuzzis geschafft, die Diskussion um technische Hilfsmittel im Fußball einigermaßen zu versachlichen. In der Regel beschränkten sich die Aussage auf die Quintessenz: es geht beim Fuball um zu viel Geld, dass wir Fehlentscheidungen hinnehmen könnten – mit Videobeweis und Chip im Ball wäre das alles nicht passiert. Dass diese Denke viel zu kurz ist, liegt auf der Hand. Da sich aber bislang keiner bequemt hat, wenigstens einige Argumente für und gegen technische hilfsmittel zusammenzutragen, finden sie im Folgenden eine kleine Auswahl von pro und contra (in order of appearance):

  • Videobeweis und Chip im Ball beschreiben vollkommen unterschiedliche Dinge. Während der Chip im Ball nur die Frage beantwortet, ob der Ball die Torlinie vollständig überquert hat, kann der Videobeweis nahezu unbegrenzt eingesetzt werden. Trotzdem werden sie regelmäßig gemeinsam und vollkommen undifferenziert verwendet.

  • Der Chip im Ball muss programmiert und adjustiert werden. Damit bestehen Manipulationsmöglichkeiten, die z.B das Bundesverfassungsgericht auch für Wahlautomaten erkannt hat.

  • Die Entscheidung, ob ein Ball die Torlinie überquert hat, wir äußerst selten falsch getroffen. Viel häufiger gibt es falsche Abseits- oder Elfmeterentscheidungen. Der Chip im Ball ist somit nur sehr selten eine Hilfe.

  • Bei Videobeweis muss eine Person, die relevanten Wiederholungen auswählen. Hier besteht die Möglichkeit, dass der Regisseur einzelne Wiederholungen unter den Tisch fallen lässt.

  • Videobeweis und Chip im Ball würden den Grundsatz durchbrechen, dass Fußball von der untersten bis zur obersten Liga mit denselben Regeln gespielt wird.

  • Durch einen Videobeweis muss ein Spiel nicht häufiger unterbrochen werden als bisher. Man kannte z.B. bei strittigen Abseitsstellungen grundsätzlich weiterspielen lassen und nur bei einem anschließenden Tor den Videobeweis erheben. Damit würden einige Spielunterbrechungen wegen Abseits wegfallen.

  • Wenn man den Videobeweis nicht für jede Entscheidung heranziehen will, stellt sich die Frage, wann ein Videobeweis erhoben werden soll, die zwangsläufig zu Abgrenzungsproblemen und Grenzfällen führen wird.

  • Fehlentscheidungen gehören trotz anders lautender Meinungen keinesfalls zum Spiel. Auch ein Spiel ohne strittige Schiedsrichterentscheidung bietet ausreichend Gesprächsbedarf. Kein echter Fußballfreund wird Fehlentscheidungen vermissen.

  • Undiskutiert ist die Frage, was bei einer Fehlentscheidung durch den Chip im Ball passieren soll. Ist dies eine Tatsachenentscheidung? Kann der Schiedsrichter den Chip überstimmen (wenn er falsch liegt, dürfte das sein Todesurteil sein)?

  • Auch bei –zig Wiederholungen aus zahlreichen Perspektiven ist eine Situation häufig nicht eindeutig zu klären. Der Videobeweis ist somit kein Garant für eindeutige Entscheidungen.

Im Ergebnis kann man all diese und noch weitere Argumente abwägen und es ist vollkommen egal, zu welchem Ergebnis man gelangt, denn die Fifa-Regelkommission (offiziell "International Football Association Board") wird nie, nie, nie einem Videobeweis oder gar einem Chip im Ball zustimmen.

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