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Wer ist hier vorleistungspflichtig?

Die Aussagen von Jupp Heynckes und Peer Kluge nach dem 0:2 gegen Leverkusen am vergangenen Samstag waren eindeutig: "Man hat der Mannschaft heute angemerkt, dass die Ereignisse vom Mittwoch nicht spurlos an ihr vorübergegangen sind", so der Gladbacher Coach. Dass er dabei auf die randalierenden und spottenden Fans nach der Niederlage in Osnabrück anspielte, die der jungen Mannschaft psychisch zugesetzt hätten, war klar. Kluge störte sich an der Ungeduld des Publikums, das am Samstag schon zu Beginn der Begegnung die Vorstellung der Fohlenelf mit einem Pfeifkonzert quittiert hatte.

Heynckes´und Kluges Klagen sind angesichts der neuen Entwicklungen rund um den Borussia-Park schlechterdings nicht mehr nachvollziehbar. Sicherlich: Ein Plakat mit dem schlichten Schriftzug "Versager" aufzuhängen, wie beim rheinischen Derby in der Nordkurve geschehen, zeugt nicht gerade von Originalität. Und dass seit dem Umzug ins neue Stadion die Fans gerne und schnell anfangen zu pfeifen, wenn es nicht läuft, ist auffällig, wobei hier mal laut angezweifelt wird, ob es sich bei diesen allzu schnell Unzufriedenen tatsächlich nur um Vertreter des "Eventpublikums" handelt, das sich nach Meinung der "Ultras" zu rauhen Bökelberg-Zeiten noch für zu fein für einen Stadionbesuch befunden hatte. Auch wirkt der erschrockene Aufschrei einiger Beobachter, in Mönchengladbach seien ob der missratenen vergangenen Woche und des Verlustes der Unschuld im eigenen Stadion erste Anzeichen einer Krise sichtbar geworden, voreilig. Denn der über den gesamten Spielverlauf fahrige und nervöse Auftritt gegen die keinesfalls überzeugende Bayer-Truppe könnte - darauf deuten die Leistungen in den vorangegangenen Heimspielen gegen Dortmund und Wolfsburg hin, aus denen alles in allem verdiente Siege hervorgingen - schlicht und ergreifend auch einem rabenschwarzen Tag der gesamten Mannschaft geschuldet sein.

Wenn die Herren Heynckes und Kluge nun aber die Fans mitverantwortlich machen für die neuerliche Misere, dann sei ihnen folgende Frage gestellt: Die nämlich, wer angesichts der vergangenen Monate und Jahre dem jeweils anderen gegenüber vorleistungspflichtig ist.

Die Fans etwa, die jeden - aber wirklich jeden, auch den Osnabrücker - Gästefanblock zwischen Kiel und Konstanz zum Bersten füllen, um die im deutschen Profifußball schlechteste Auswärtsmannschaft der letzten zehn Jahre zu unterstützen? Oder die Mannschaft, die es selbst nach dieser niederschmetternden Auswärtsbilanz, die seit Jahren den - erstaunlich elastischen - Geduldsfaden der Anhänger aufs äußerste strapaziert, nicht für nötig hielt, einen zwei Klassen tiefer spielenden Gegner zumindest in die Verlängerung zu zwingen?

Diese beiden Fragen sind rhetorisch; falls Jupp oder Peer sich dennoch bemüßigt fühlen sollten, sie zu beantworten, sei ihnen folgender Tipp gegeben: Bei Frage zwei wird´s warm - verdammt warm! Und jetzt bitte Ruhe und nicht ein Punkt, sondern drei Punkte aus Frankfurt!

Einspruch, Bernd!

Es kann beim Support nicht darum gehen, ob die eine oder andere Partei in Vorleistung gehen müsste oder sollte. Wenn ein neues Spiel beginnt, haben alle Beteiligten das Notwendige dafür zu tun, dass am Ende drei Punkte stehen.

Wer sich bereits vor dem Spiel hinstellt und die Mannschaft als Versager tituliert und auspfeift, ist für mich kein Fan und obendrein ein Idiot. Was war denn in der Saison bis dahin passiert? Alle Auswärtsspiele wurden verloren. Dafür haben die Heimspiel, rein punktetechnisch, mehr als entschädigt. Mit einem weiteren Erfolg hätte man auf einem Uefa-Cup-Platz gestanden.

Der einzige wirkliche Aussetzer war also das DFB-Pokal aus. Natürlich zehrt sowas an den sowieso schon geschundenen Nerven, aber dieser VfL ist nicht die erste und wird auch nicht die letzte Mannschaft sein, die gegen Amateure ausscheidet. Die Reaktion der Fans war angesichts dessen absolut überzogen. Mehr noch: Sie war unkonstruktiv und schädigend. Die junge Mannschaft war bereits durch den Misserfolg verunsichert. Wenn sich dann das eigene Publikum noch gegen das Team stellt, kommt eine solche fahrige Spielweise wie gegen Leverkusen zustande.

Es ist wie in den letzten beiden Saisons, als ich mich schon nicht mehr wohl gefühlt habe in der Kurve: Die Fans sind ungeduldig, geben Aufbauarbeit keine Zeit und haben völlig illusorische Ansprüche. Wir sollten uns immer vor Augen halten, wie viele Aufsteiger der letzten Jahre bis heute konstant in der ersten Liga spielen - zeimlich genau zwei. Hannover und Gladbach. Und wir sollten uns überlegen, wie groß die Schritte sein können, mit denen wir uns in Richtung Europa bewegen. Die sind klein. Und genau mit diesem Bewusstsein sollten wir die Mannschaft beurteilen und anfeuern.