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Die große, weite Fußballwelt

Auch wenn es uns manchmal unwirklich oder nicht erwähnenswert erscheint angesichts der emotionalen Verbundenheit zu unserer einzig real existierenden Borussia: es gibt sie, die große, weite Welt des Fußballs neben Borussia. Und da der Horizont des FohlenKommandOs nicht am Ausgang des Nordparks aufhört, beschäftigen wir uns an dieser Stelle ab sofort regelmäßig mit dem Fußball im Allgemeinen, der über das Geschehen bei Borussia hinaus geht. Heute: Italien.

Der AC Mailand darf nun doch in der Champions-League antreten. Das freut die Tifosi der Rossoneri, den deutschen Fußballfan treibt es in tiefe Verzweiflung und schlaflose Nächte. „Typisch Italien!“, „Bananenrepublik“, „Kein Wunder, die haben doch Berlusconi“, „Wenn der keine Verbindungen zu Mafia hat“ – das sind zusammengefasst die teutonischen Reaktionen gewesen, die der Autor dieser Rubrik nach dem Urteil vernommen hat.
Es ist schon verwunderlich, irgendwie scheint sich der Deutsche – vor allem der deutsche Mann – latent vom Italiener bedroht zu fühlen. Wie sonst ist es zu erklären, dass wir uns vor allem bei der Kommentierung des italienischen Fußball-Geschehens in ein Volk von Rezitatoren der Boulevard-Rhetorik verwandeln und uns tief in Klischees suhlen. Muttersöhnchen, Schauspieler, Mode-Affen, Machos, Pomaden-Benutzer, Betrüger – das sind die gängigen Assoziationen, die dem gemeinen deutschen Fan in den Sinn kommen, wenn er italienische Fußballer im Fernsehen oder auf dem Spielfeld sieht – zuletzt während der WM oft genug erlebt und gehört. Erstaunlich, warum auch sonst so besonnene Kenner des Fußballs in diese Klischee-Falle tappen. Fast hat es denn Anschein, als seien vor allem die deutschen Männer neidisch auf die italienische Spezies der Männer und flüchteten sich daher in solche Plattitüden. Essen, Modebewusstsein, Erfolg bei Frauen, Stil – all das ist bei Italienern im Durchschnitt ausgeprägter bzw. besser als bei uns. Werden wir deshalb so unsachlich und albern, sobald das Thema auf Italiens Fußball kommt?
Allen Polemikern, die sich über das Skandalurteil zur Champions-League-Teilnahme des AC Mailand äußern und die immer schon gewusst haben wollen, dass in Italien die Korruption regiert und ohne Mafia nichts läuft, sei an dieser Stelle gesagt: Dieses Urteil, angesichts des Skandals in der Serie A nach unserem Rechtsverständnis sicherlich nicht ganz nachvollziehbar bzw. sogar arg zweifelhaft, ist von der UEFA gesprochen worden, nicht vom italienischen Verband. Trotzdem richten sich die Vorwürfe hierzulande gegen vermeintlich mafiösen Strukturen südlich der Alpen, nicht gegen den europäischen Verband mit Sitz in der Schweiz.
Ohnehin war das deutsche Fanurteil über den italienischen Fußball in den letzten Tagen eher gering ob der Fast-Begnadigung der in den Skandal verwickelten Akteure bzw. derer Vereine. „Typisch Italien“, schrie die deutsche Volksseele, als die Urteile gegen Juventus, Milan, Fiorentina und Lazio abgemildert wurden. In der Tat erscheint es auch dem Verfasser dieser Zeilen äußerst suspekt – aber eben nur nach unserem Empfinden. In Italien laufen die Uhren anders und die Menschen denken anders. Keineswegs ist es für die Tifosi ein Skandal – im Gegenteil, die Vorfreude auf die neue Saison scheint dort ungebrochen.
Neulich äußerte jemand Verwunderung darüber, dass die Fußballfans im Land des Weltmeisters offensichtlich über Jahre an der Nase herum geführt worden sind, aber dennoch nicht an Sühne interessiert seien, sondern stattdessen lieber das öffentliche Leben in den Städten lahm zu legen versuchten, um so gegen drohende Zwangs-Abstiege zu protestieren. Mag sein, dass dies einige Deutsche nicht nachvollziehen können. Der Italiener ist aber nun mal so. Mehr als hier, ist Fußball dort Religion und bestimmt den Alltag aller sozialer Schichten. In den Bars lesen die Männer zu ihrem Café die täglich erscheinenden Sportgazetten, nicht etwa Tageszeitungen. Und dies tun sie, gleich welchem Berufsstand sie angehören. Vielerorts gibt es nicht wichtigeres als Fußball – von der Familie einmal abgesehen. Wem das hier seltsam erscheint, dem sei die Frage gestellt: Was wäre wohl in Gelsenkirchen los, wenn der FC Schalke 04 aufgrund eines Bundesligaskandals in die zweite Liga absteigen müsste? Die Antwort gebe ich selbst: Die Reaktionen wären wohl nicht viel anders, als seitens der Juve-Fans, wahrscheinlich sogar noch heftiger.

Aber Deutschland und Fußballskandal???

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