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Die Schuld der Fans

Liebe Interessierte,

im Borussia-Park gab es am Samstag beim 2:2 gegen die Berliner Hertha in der 64. Spielminute ein gellendes Pfeifkonzert. Keine scheinbare Fehlentscheidung des Schiedsrichters, kein Fehlverhalten eines Spielers und auch nicht eine unterirdisch anmutende Leistung der Borussen-Kicker war Stein des Anstoßes. Vielmehr richteten sich die Pfiffe der aufgebrachten Borussen-Anhänger gegen eine Auswechslung. Der 19-jährige Abiturient Robert Fleßers wurde gegen den luxemburgischen Filigrantechniker Jeff Strasser ausgewechselt.
Es kommt nicht oft vor, das die Fans einen Spielerwechsel der eigenen Mannschaft mit Pfiffen quittieren. Die Motive dafür können unterschiedlich sein. Entweder (der eindeutig am meisten vorkommende Fall) ist das Publikum mit der Herausnahme des Spielers nicht einverstanden, weil es ihn nicht sonderlich schlecht gesehen hat oder sich noch entscheidende Impulse von diesem Akteur für das Mannschaftsspiel erwartet. Die Anhänger bekunden derweil auch ihren Unmut darüber, dass sie gerne einen anderen Spieler eingewechselt gesehen hätten. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, den ausgewechselten Spieler aufgrund seiner unterirdischen Leistung in Grund und Boden zu pfeifen. Letztere Möglichkeit erscheint an dieser Stelle eher ausgeschlossen.

Damit blieben die ersten beiden Möglichkeiten. Es darf nun spekuliert werden. Die zweite Variante erscheint plausibler, da Jeff Strasser als Rumpelfußballer ohnehin nicht sonderlich beliebt ist beim Großteil der Fans und Fleßers mit Gelb vorbelastet war, eine Auswechslung aufgrund einer drohenden Ampelkarte also durchaus Sinn machte. Schließlich war es sein erstes Bundesligaspiel und es wäre nicht das erste Mal gewesen, dass fehlende Erfahrung zu einem Platzverweis geführt hätte.

Einen (eigenen) Spieler dafür auszupfeifen, dass er eingewechselt werden soll, ist heftig. Damit hat Borussias Keeper Kasey Keller also sicherlich recht, wenn er das Verhalten von Borussias Anhang in dieser Situation (leider nicht zum ersten Mal in dieser Saison) als bedenklich einstuft. Den Anhängern aufgrund der Pfiffe jedoch den schwarzen Peter und damit die Schuld für die verspielte Führung zuzuschreiben, geht definitiv zu weit und ist auch sachlich vollkommen falsch. Schließlich stand es zu diesem Zeitpunkt noch 1:1.

Dennoch: die Pfiffe sollten zu denken geben. Einmal den Fans selber, andererseits aber auch den Verantwortlichen, Trainern und Spielern. Man darf einmal annehmen, dass gepfiffen wurde, weil die Fans ihren Unmut auch über eine mal wieder über weite Strecken spielerische unzulängliche Leistung kundtun wollten. Es waren sicherlich auch Pfiffe gegen den Trainer, von dem sich die meisten Zuschauer in dieser Situation ein anderes Zeichen gewünscht hätten. Wie gesagt waren Horst Köppel jedoch die Hände gebunden. Für den unerfahrenen und vorbelasteteten Fleßers kam nur Strasser auf der Sechserposition in Frage. Einzige Alternative wäre die Einwechselung von Jörg Böhme und eine Umstellung im Mittelfeld gewesen, gegen die der Fußballlehrer Köppel aber mit Sicherheit triftige Gegenargumente hatte.
Wie dem auch sei: wie gesagt täten die Verantwortlichen Borussias gut daran, diese Pfiffe nicht vollkommen zu verteufeln, sondern sie als Indiz für das Sehnen der Fans nach spielerisch ansprechenderen Leistung ernst zu nehmen. Auch Horst Köppel sollte tunlichst vermeiden, auf solche Aktionen dünnhäutig zu reagieren und den Tatsachen ins Gesicht zu sehen. Neben der spielerischen Stagnation schlagen die katastrophalen jahrelangen Auswärtsleistungen Borussias und der stetige Abwärtstrend seit dem goldenen Oktober 2005 auf das Gemüt der Fanseele.
Richtig ist zwar, dass Borussia nach Jahren des Kampfes gegen den Abstieg in dieser Saison zum ersten Mal völlig ohne Sorgen war und frühzeitig Planungssicherheit hatte. Richtig ist aber auch, dass Borussia in der Rückrundentabelle mit 13 Punkten auf einem Abstiegsplatz steht. Nur der designierte Absteiger MSV Duisburg ist schlechter. Es ist legitim, dass sich die Fans aufgrund dieser Entwicklung Sorgen machen, es könnte in der neuen Saison wieder nach unten gehen. Die Art der Sorgenbekundung ging jedoch in falsche Richtung, zumal davon auszugehen ist, dass Manager Peter Pander einige Baustellen im kreativen Bereich in der Sommerpause schließen wird.

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