« zurück zur Hauptseite | zum vorherigen Beitrag » | zum vorherigen Beitrag » | zum vorherigen Beitrag » | zum vorherigen Beitrag » | zum vorherigen Beitrag » | zum vorherigen Beitrag » | zum vorherigen Beitrag » | zum vorherigen Beitrag » | zum vorherigen Beitrag » | zum vorherigen Beitrag »

Lustlosigkeit oder einfach Ökonomie?

Liebe Borussenfreunde,

Nachdem der Ärger über das unerfreuliche und von mir selbstverschuldet live im Weserstadion verfolgte 0:2 gegen Werder im Kölner Karneval heruntergespült wurde, wird es nun vielleicht Zeit, das ernüchternde Erlebnis vom Samstag mal nüchtern zu analysieren. Zu dem Entschluss bin ich gekommen, nachdem mich die in Presse, Funk und Fernsehen verbreiteten Phrasen von der ach so drückenden und für alle Ewigkeit gefestigten Überlegenheit der Bremer Virtuosen über die Gladbacher Fußkranken anfingen massiv zu nerven.

Dazu zunächst mal Folgendes: Zwischen Werder und dem VfL liegen keine Planeten (O-Ton Beckmann zum gestrigen Länderspiel Italien-Deutschland), keine Welten, keine Ozeane, keine Staatsgrenzen (außer der nordrhein-westfälisch-niedersächsischen und der niedersächsisch-bremischen Landesgrenzen) und auch keine Klassen. Wenn mich nicht alles täuscht, herrscht zwischen dem Tabellen-Zweiten und dem Neunten nach Adam Riese eine Distanz von gerademal sieben Tabellenplätzen.

Auch die Kommentare der mich im Stadion "umzingelnden" Werder-Fans ärgern mich heute, nachdem ich mich anfangs noch über deren typisch hanseatische Gemütlichkeit und Spottbereitschaft amüsiert hatte. So wurde schon vor dem Spiel nur über die Höhe des Werdersieges spekuliert, und gemessen an den geäußerten Prophezeiungen fällt das Resultat von 2:0 sehr dürftig, ja nachgerade knapp aus. (Dazu noch, liebe Fischköppe, ein kleiner Nachtrag von mir zum Hinspiel: Dieses endete nicht 0:5, nicht 0:10 und auch nicht 0:20, sondern 2:1 für uns. Verdient gewonnen, basta! Was können wir für die Arroganz und Selbstüberschätzung, die Ihr an diesem Abend an den Tag gelegt habt?)

Doch nun endlich zur Spielanalyse: Beide Mannschaften begannen flott und offensiv. Beide Teams offenbarten Abwehrschwächen, und das Tor durch Neuville, dem zu Unrecht die Anerkennung verweigert wurde, kam zu diesem Zeitpunkt für mich nicht überraschend.

Nun hat Werder aber den in dieser Saison überragenden K.& K.- Sturm, und der schlug halt innerhalb kürzerer Zeit zweimal zu.

Was nun folgte, ärgerte natürlich auch mich. Die Partie wurde nämlich offenbar von beiden Teams zu den Akten gelegt. Richtig ist, dass die Borussen keinen ernsthaften Versuch mehr unternahmen, die Niederlage noch abzuwenden, und Werder verfiel wieder - wie schon im Hinspiel - in ein Hacke-Spitze-eins-zwei-drei, das man als Stadionneuling bewundern mag, das jedoch aus Sicht des echten Liebhabers dieses Spiels recht bald schon ziemlich selbstgefällig und daher niveaulos daherkommt, eine überhebliche und brotlose Spielweise, für die man sich nicht nur als Anhänger des Gegners die im Hinspiel ja auch erteilte gerechte Strafe erhofft.

Aber wie muss man jetzt den Gladbacher Auftrítt deuten? Lustlose Arbeitsverweigerung, wie hinterher zu lesen und zu hören war? Hat man gar gegen den Trainer gespielt?

Oder muss sich der -verständlicher- und berechtigterweise- fußballromantisch eingestellte Fan vielleicht damit abfinden, dass im modernen Fußball manche Spiele eben so laufen? Dass nämlich eine Mannschaft wie die der Borussia - basierend auf einer beruhigenden Tabellensituation - erst einmal befreit aufspielt und schaut, was man im Auswärtsspiel gegen einen auf dem Papier stärkeren Gegner erreichen kann. Und dann, wenn ersichtlich wird, dass der Gegner tatsächlich an diesem Tag stärker ist, die neunzig Minuten ohne größeren Schaden zu überstehen versucht. Anstatt diesem stärkeren Gegner ins offene Messer zu laufen und unter die Räder zu kommen, wie das einigen der wirklich schwachen Teams in dieser Saison an der Weser schon widerfahren ist. Dass die Punkte vielleicht ohnehin nicht unbedingt auf der Liste standen, dass man sie halt anderswo eingeplant hat und dass man unnötige Verletzungen bei einer anstrengenden und aller Wahrscheinlichkeit nach ohnehin nicht von Erfolg gekrönten Aufholjagd im Hinblick auf dieses "anderswo" nicht in Kauf nehmen möchte.

Wie gesagt: Dies entspricht zu Recht nicht den romantischen Vorstellungen des (viel Geld zahlenden) Fußballfans, und zu den mal wieder großartigen Fohlenanhängern im Weserstadion werden sich nach dieser Vorstellung ganz sicher keine neuen dazugesellt haben. Man möchte seine Lieblinge immer und überall bis zur letzten Minute alles geben sehen, man möchte sehen, wie sie alles daran setzen, das bestmögliche Ergebnis für ihren Verein herauszuholen.

Trotzdem glaube ich, ähnliche Spiele wie jenes am vergangenen Samstag in den letzten Jahren auch unter umgekehrten Vorzeichen am Bökelberg und im Borussia-Park schon desöfteren gesehen zu haben. Ich halte es mittlerweile auch nicht mehr für ausgeschlossen, dass die Ökonomie des modernen Fußballs manchen Mannschaften gar nichts anderes mehr übriglässt. Und ich meine, dass man dies entweder akzeptieren und auf das nächste Spiel hoffen oder eben den modernen Fußball in seiner Ganzheit ablehnen muss. Mit dem mittlerweile inflationär vorgebrachten Vorwurf der Lustlosigkeit und der Arbeitsverweigerung sollte man jedoch vorsichtig sein.

B. Reifenrath

Links zu diesem Artikel

Link erstellen