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Anspruch und Wirklichkeit


Liebe Interessierte,

seit Jahren wird aus konkreten Anlässen immer gerne geklagt, die Bundesliga sei im internationalen Vergleich nur - wenn überhaupt - zweitklassig. Anlass dafür gibt nun auch wieder das teilweise klägliche Auftreten der deutschen Vertreter im UEFA-Cup.
An dieser Stelle wäre es für die Verteidigung der These vom Niedergang des deutschen Fußballs überflüssig, das gerne verwendete und damit abgenutze Argument des einzigen, in Europa erfolgreichen, deutschen Vereins zu bemühen. Zwar ist dies durchaus richtig, hilft aber für einen sachlichen Vergleich der nationalen Ligen nicht weiter. Auch in Spanien, Italien und England gibt es nicht verschiedene Mannschaften, die kontinuierlich Erfolg hätten. Der FC Liverpool als amtierender Titelträger der Champions League musste eine jahrzehntelange Durststrecke überwinden und ist einer von zwei verschiedenen Titelträgern der letzten zehn Jahren. Zum Vergleich: In Deutschland gibt es derer auch zwei.
In Spanien ist der FC Barcelona zur Zeit sicherlich die spielstärkste Mannschaft, erlebt aber europaweit auch nur eine Renaissance. In der letzten Dekade suchte man die Katalanen oft vergeblich im Spielbetrieb nach der Hinrunde. Am europäischen Erfolg gemessen steht das Team um Ronaldinho ganz klar im Schatten von auch nur einer Mannschaft: Real Madrid. Dazu kommt der FC Valencia, der obwohl er 2001 das Finale erreichte, keinesfalls europäische Kontinuität ausstrahlt. Übrigens gab es mit Bayer Leverkusen auch eine dritte deutsche Mannschaft, die in den letzten zehn Jahren das Endspiel erreichte.

Auch Italien hatte in der dieser Zeit "nur" zwei verschiedene Titelträger. Allerdings spielen Juventus Turin und der AC Mailand beständig auf europäischen Top-Niveau. Auch wenn man den Eindruck hat, dass spanische und englische Spitzenteams im Vergleich zu den deutschen viel eher zum großen europäischen Wurf ausholen könnten, sprechen die Fakten also eine andere Sprache.
Wenn da allerdings nicht der UEFA-Cup wäre!

Dennoch: Der mehr als enttäuschende Donnerstag im UEFA-Cup aus deutscher Sicht sollte zwar nachdenklich stimmen, aber keinen Anlass zu übertriebender Sorge geben.
Realistsich betrachtet ist es durchaus als Erfolg zu werten, dass dieses Jahr immerhin vier deutsche Vereine im UEFA-Cup überwintert haben. Im vergangenen Jahr waren es drei, im Jahr zuvor sogar gar kein Club. Zum Vergleich: aus Spanien und Italien sind heuer je drei, aus England noch zwei Vertreter dabei.
Im Übrigen liegt die Bundesliga auch hier im Vergleich der UEFA-Cup-Gewinner nicht so schlecht. Wie Italien hat sie in den letzten zehn Jahren zwei Gewinner vorzuweisen, Spanien und England dagegen nur einen.
Realität ist aber auch das aktuelle Auftreten vom Donnerstag und das war aus Stuttgarter und vor allem Berliner Sicht beschämend. Das knappe 0:1 des HSV beim FC Thun ist dagegen sicherlich kein Beinbruch. Bei einem Champions-League-Teilnehmer kann man verlieren und im Rückspiel ist noch deutlich Luft nach oben.
Für Hertha und den VfB gilt dies sicherlich nicht. Hertha blamierte sich - mal wieder - bis auf die Knochen Der FC Schalke war immerhin deutlich überlegen gegen Espanyol Barcelona und gewann noch mit Mühe. Dennoch: der kleinere Club aus Barcelona ist derzeit völlig ausser Form und kassierte in der Primera Divison wiederholt Prügel. So gesehen ist der knappe Sieg für eine Mannschaft, die gerade aus der Champions-League kommt und vor allem für das Schalker (Möchtegern)-Selbstverständnis viel zu wenig.

Womit wir am Punkt und am eigentlichen Problem des deutschen Fußballs wären. Anspruch und Wirklichkeit liegen zur Zeit meilenweit auseinander. Der FC Schalke wäre zwar gerne auf Augenhöhe mit dem FC Bayern, tut sich mit der Realität jedoch sehr schwer.
Dem VfB Stuttgart geht es da ähnlich. Nach dem Verkauf von wichtigen Leistungsträgern im Sommern, letztendlich nicht adäquatem Ersatz und zugleich völlig realitätsfremden Champions-League-Erwartungen konnte Giovanni Trappatoni als Trainer nur scheitern. Die Frage, ob der VfB mit Trap als Trainer die Spiele in Bielefeld und gegen Middlesbrough verloren hätte, ist zwar hypothetisch, aber sicherlich auch nicht ganz unbegründet.

Hertha BSC ist da ein ganz besonderer Fall. Fast schon tragisch, wie man seit dem Bundesliga-Aufstieg 1997 ständig, aber letztendlich diletantisch und vergeblich versucht, eine dauerhafte Spitzenmannschaft zu werden. Fakt ist: Wer Vaclav Sverkos fast als neuen Wunderstürmer und Kopfballungeheuer verkauft und ihm dann auch noch penetrant den Vorzug vor Marco Pantelic gibt, darf sich nicht wundern, wenn der Ertrag am Ende (mal wieder) nicht mit dem Anspruch übereinstimmt.

C.L.

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